Allianz geht Sorgenkind Dresdner an

Investmentbank wird abgespalten · Versicherer will mehr Spielraum für neue Partnerschaften

Von Christine Mai, Frankfurt, und Herbert Fromme, Köln Die Allianz spaltet ihre Problemtochter Dresdner Bank auf. Mit diesem Schritt bereitet der Münchner Versicherungskonzern das Institut auf eine Zerschlagung und Fusion mit einem anderen Geldhaus vor. Gleichzeitig will die Allianz sich in Stellung bringen, um aktiv die Neuordnung der deutschen Bankenlandschaft mitzubestimmen.

Der Konzern suche mit der Aufspaltung der Dresdner Bank Handlungsfreiheit, hieß es in Unternehmenskreisen. „Wir sind kaum von der Kreditkrise betroffen und für viele Leute ein sehr attraktiver Partner“, sagte ein Manager. Das sähen auch Großanleger so, mit denen die Allianz-Führung auf Roadshows in den vergangenen Wochen gesprochen habe. „Wir haben Gewicht, jetzt wollen unsere großen Aktionäre, dass wir das auch nutzen.“

Unter dem Dach einer neuen Holding soll es künftig zwei eigenständige Banken geben – eine für das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden und eine Investmentbank. Über einen entsprechenden Beschluss des Vorstands wurde der Aufsichtsrat des Instituts am Freitag informiert. Mit dem Schritt erhalte die Bank „die nötige Flexibilität, um bei der bevorstehenden Konsolidierung auf dem Bankenmarkt eine aktive Rolle zu spielen“, sagte ein Sprecher der Dresdner.

Mit dem Umbau positioniert sich die Allianz für einen möglichen Kauf der Postbank. Ein Interesse an dem Institut leugnet der Versicherungskonzern jetzt nicht mehr. Die neue Privat- und Firmenkundenbank könnte mit der Postbank zusammengeführt und die durch hohe Belastungen aus der Finanzkrise belastete Investmentbank Dresdner Kleinwort verkauft werden. „Das ist ein eindeutiger Schritt. Die Allianz zeigt Profil“, hieß es in Finanzkreisen. Die Aktie des Münchner Konzerns schnellte am Freitag zeitweise um mehr als zwei Prozent nach oben, schloss in einem sehr schwachen Markt aber knapp im Minus.

Die Deutsche Post hatte noch unter dem mittlerweile zurückgetretenen Vorstandschef Klaus Zumwinkel damit begonnen, Möglichkeiten für einen Verkauf der Postbank auszuloten. Mit der Allianz hat der Konzern nach FTD-Informationen bereits Gespräche geführt, ebenso mit der Deutschen Bank und der niederländischen ING. Deutsche und Commerzbank haben ungewöhnlich offen ihr Interesse an dem Geldhaus angemeldet. Mit rund 15 Millionen Klienten ist die Postbank das Einzelinstitut mit den meisten Kunden in Deutschland.

Im Heimatmarkt beziehe sich das neue Bewusstsein der Allianz als Konsolidierer nicht nur auf die Postbank. „Zur Zeit ist sehr vieles möglich, wenn man sich zum Beispiel die Entwicklung im öffentlichen Sektor ansieht“, hieß es. Vorstand Paul Achleitner ist schon lange fest davon überzeugt, dass der Sparkassensektor deutliche Änderungen spüren wird. Die Allianz könnte dabei eine Rolle spielen.

Mit der Abspaltung der Investmentbank bekomme der Konzern andererseits auch eine Währung, um mit Staatsfonds und anderen Interessierten auf globaler Ebene zusammenzuarbeiten, hieß es am Wochenende in München. „Vorstellbar sind Deals nach dem Motto: Ihr bekommt eine Investmentbankingpräsenz in Europa, wir einen besseren Zugang zu asiatischen Märkten, auch für unsere Versicherer“, sagte ein Manager.

Die Allianz hatte die Dresdner Bank 2001 mit der Begründung übernommen, sich damit den Vertriebskanal Banken zu sichern. Tatsächlich nimmt dessen Bedeutung zu, und die Kooperation im Vertrieb von Lebensversicherungen ist erfolgreich – ohne allerdings den Kaufpreis von 24 Mrd. Euro zu rechtfertigen. Außerdem hat die Bank jahrelang Marktanteile im Privatkundengeschäft verloren. Allianz-Chef Michael Diekmann versucht deshalb, den Vertrieb der Allianz mit seinen knapp 11 000 Vertretern zur Kundengewinnung einzusetzen.

In Finanzkreisen wird die zuletzt schlechte Aktienkursentwicklung als einer der wichtigsten Gründe für die Aufteilung der Dresdner angesehen. Seit Mitte 2007 hinkt der Allianz-Kurs dem Dax hinterher. Anleger fürchten, dass der Konzern wegen der Investmentbank der Dresdner von der Kreditkrise schwer betroffen sein könnte. Bisher musste das Institut 1,6 Mrd. Euro Abschreibungen und Wertberichtigungen verdauen, weitere 400 Mio. Euro könnten 2008 folgen.

Die Schwierigkeiten haben bereits zu Einschnitten bei der Investmentbank geführt: 450 der weltweit 6000 Stellen fallen weg. Das operative Ergebnis der Gesamtbank halbierte sich 2007 fast auf 710 Mio. Euro. Die gesamte Allianz-Gruppe steht trotzdem vergleichsweise gut da.

Bild(er):

Schweres Gerät statt kleiner Schnitte: Die Allianz spaltet das Sorgenkind Dresdner Kleinwort von der Dresdner Bank ab. Die Kreditkrise hatte der Investmentbank zugesetzt – ddp/Johannes Eisele

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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