Buffett nimmt Staatsfonds in Schutz

Investorenlegende prangert fehlgeleitete US-Handelspolitik an · Berkshire meldet Gewinneinbruch

VON Francesco Guerrera,New York, und Herbert Fromme, Köln Der US-Investor Warren Buffett hat den in den USA zunehmenden Vorbehalt gegen Staatsfonds scharf kritisiert. Ihre Zukäufe seien ein Ergebnis der fehlgeleiteten US-Handelspolitik „und keineswegs eine dunkle Verschwörung ausländischer Regierungen“, schrieb Buffett in seinem am Freitag veröffentlichten Aktionärsbrief.

Der 77-jährige Milliardär, der als „Orakel von Omaha“ für seine Investitionspolitik berühmt wurde, griff damit in eine heiße Debatte ein. Mehrere US-Kongressabgeordnete und Präsidentschaftskandidaten äußerten sich in den vergangenen Tagen kritisch zu den Staatsfonds und monierten deren Intransparenz.

Staatsfonds verhandeln zur Zeit über einen Einstieg bei den angeschlagenen Anleiheversicherern. In den vergangenen Monaten haben staatliche Anleger vor allem aus arabischen Ländern die Krise der Banken in den USA genutzt, um zu günstigen Konditionen bei Instituten wie der Citigroup einzusteigen – und sie so in einigen Fällen zu retten. Auch für Finanzinvestoren werden Staatsfonds wichtiger.

Die Dollarschwäche habe einen einfachen Grund, sagte der Investor. „Die Amerikaner kaufen viel lieber Produkte, die in anderen Ländern hergestellt werden, als der Rest der Welt US-Produkte kauft.“ Zur Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits biete das Land jeden Tag Schuldverschreibungen und andere Titel für 2 Mrd. $ dem Ausland an.

„Unsere Handelsbilanz sorgt zwangsläufig für gigantische Auslandsinvestitionen in den USA. Warum sollen wir uns beschweren, wenn sie lieber Aktien als Anleihen kaufen?“ Der US-Gesetzgeber müsse erkennen, dass das momentane Ungleichgewicht unhaltbar sei und rasch Maßnahmen einleiten. „Sonst könnten die 2 Mrd. $, mit denen wir den Rest der Welt täglich zwangsernähren, globale und sehr unangenehme Verdauungsstörungen auslösen“, so Buffett.

Die aktuelle Kreditkrise habe sehr viel Finanzunsinn enthüllt, sagte er. „Erst wenn die Ebbe kommt, sieht man, wer nackt schwimmt. Was wir bei einigen der größten Institute beobachten müssen, ist nicht gerade schön.“

Buffetts Berkshire-Hathaway-Konzern ist an zahlreichen Unternehmen beteiligt, hat aber einen Schwerpunkt in der Versicherungsbranche. Zur Gruppe gehören der Autoversicherer Geico und die Rückversicherer Gen Re und Berkshire Re. 2007 sei ein sehr gutes Jahr gewesen, so Buffett. „Aber wir hatten auch Glück“, gestand er ein. „Diese Partie ist jetzt vorbei.“ Es sei ganz sicher, dass die Margen in der Versicherungswirtschaft 2008 zurückgingen. „Die Preise fallen, und unsere Risiken steigen erbarmungslos.“ Die Gewinnmarge der Branche werde schon bei milder Katastrophenbelastung um vier Prozentpunkte fallen. „Wenn es richtig stürmt oder die Erde bebt, könnten die Zahlen sehr viel schlechter sein.“

Buffett teilte mit, seine Nachfolge als Chief Executive sei geregelt. Zusätzlich zum ausgewählten Kandidaten – den er nicht nannte – gebe es zwei gute Backups. Als Nachfolge für seine Rolle als Investor gebe es vier Kandidaten, die alle schon heute hohe Summen verwalteten und, wenn gerufen, zu Berkshire wechseln würden.

Die Gruppe verdiente im vierten Quartal 2,9 Mrd. $, verglichen mit 3,6 Mrd. $ im Vorjahreszeitraum. Der Jahresgewinn stieg von 11 Mrd. auf 13,2 Mrd. $.

Bild(er):

Warren Buffett testet eine Matratze eines konzerneigenen Kaufhauses am Rande der Hauptversammlung im Mai 2007 – AP/Nati Harnik

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit