Reeder tanken deutsches Geld

Hiesige Banken sind weltweit führend auf dem Markt für Schiffsfinanzierungen

Von Katrin Berkenkopf Reeder aus Griechenland, Norwegen oder Hamburg haben so viele neue Schiffe bestellt wie nie zuvor. Das Kapital dafür kommt zum großen Teil von deutschen Banken. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich Deutschland zum weltgrößten Standort für Schiffsfinanzierungen entwickelt. Die Position wird es halten, glauben die Bankmanager. „Gerade die mittelständisch geprägten Reedereien legen auf langfristige und verlässliche Geschäftsbeziehungen großen Wert“, sagt Christian Murach, Geschäftsführer der KfW Ipex-Bank.

Das Kreditvolumen der größten deutschen Banken in der Schiffsfinanzierung lag Ende 2006 bei mehr als 79 Mrd. Euro. Seitdem dürfte es stark zugelegt haben, denn die Schiffsflotte wächst rasant. Unter den fünf weltgrößten Schiffsfinanzierern sind drei aus Deutschland: HSH Nordbank, KfW Ipex-Bank und die Deutsche Schiffsbank, eine Tochter von Commerzbank, Dresdner Bank und HVB.

Besonders öffentlich-rechtliche Banken haben sich eine starke Position erarbeitet. Geholfen hat dabei die jahrzehntelange Gewährung von Staatsgarantien, die eine günstigere Refinanzierung und damit bessere Konditionen für die Kredite ermöglichte.

Die heimischen Reeder sind besonders fleißige Kunden. Sie nutzen das Instrument der geschlossenen Schiffsfonds. Zunächst dank Abschreibungsmöglichkeiten, dann dank minimaler Steuerbelastung durch Tonnagesteuer haben diese Fonds Anlegerkapital angezogen. Das Geld der Banken komplettiert ihr Finanzierungsmodell.

Beim Kreditvolumen ist die HSH Nordbank unangefochtener Weltmarktführer. Gerade sie aber hat die Kreditkrise getroffen. Weit vor Jahresende musste sie 2007 die Bücher für neues Geschäft mit Schiffen schließen und sorgte damit für Verunsicherung in der Branche. Deutsche Bank Shipping-Vorstand Torsten Wagner siehtzur Panik aber keinen Grund: „Im Schifffahrtsbereich ist die Bankenkrise doch gar nicht angekommen.“ Konnte eine Bank einen geplanten Kredit nicht gewähren, seien andere eingesprungen.

Die Situation können private Banken nutzen, um ihre Marktposition zu stärken. „Es wird eine Verlagerung geben. Wer keine Probleme hat, wird stärker“, sagt Vorstandskollege Tjark Woydt vorsichtig. Die Strategie des Instituts spricht eine klarere Sprache, für 2008 ist Expansion angesagt. „Das Volumen im Neugeschäft wird steigen“, sagt Vorstandskollegin Annemarie Ehrhardt.

„Durch die über Jahrzehnte ,harte‘ Währung und das solide Finanzsystem bietet Deutschland gute Voraussetzungen für langfristige Finanzierungen, wie sie in der Schiffsfinanzierung erforderlich sind“, sagt Murach von KfW Ipex. Die Banken betonen, dass sie auch in schwierigen Zeiten aktiv waren und notleidende Schiffseignern nicht die Tür vor der Nase zugeschlagen haben. „Die Banken sind gemeinsam mit den Reedern gewachsen und profitieren heute von einem Know-how und Kundenbeziehungen, die sich über Jahrzehnte gebildet und bewährt haben“, sagt Markus Lange, stellvertretender Leiter des Bereichs Shipping bei der HSH Nordbank.

Die internationale Konkurrenz überlässt das Feld nicht kampflos den deutschen Finanzierern. „Im klassischen Kreditgeschäft sind die stärksten Wettbewerber in den Regionen Skandinavien und seit etwas weniger Jahren auch Asien“, erklärt Lange. Dass sich das Zentrum des Welthandels zunehmend nach Asien verlagert und dort neue, große Schifffahrtsunternehmen entstehen, beeinflusst auch die deutschen Banken. Wer noch nicht vor Ort präsent ist, hat dafür zumindest Pläne aufgestellt. DB Shipping will jetzt ein neues Schiffsfinanzierungs-Team in Singapur aufbauen. „Wir werden uns immer zu den Reedern begeben“, sagt Torsten Wagner.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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