Schwere Zeiten für etablierte Anbieter

Herbert Fromme Keine guten Nachrichten für Allianz und Münchener Rück: Ihre privaten Krankenversicherer Allianz Private Kranken und DKV schwächeln in der Königsdisziplin Krankheitsvollversicherung, ihre Bestände sind älter als der Durchschnitt. Kommt es Anfang 2009 zu einer Wechselschlacht zwischen den Gesellschaften um die Bestände, dürften die beiden kaum zu den Gewinnern gehören. Dafür sorgen die starken Vertriebstruppen, die Central, Axa und andere nutzen. Darunter ist die der AMB Generali und damit der Central nahestehende DVAG mit ihren 33 000 haupt- und nebenberuflichen Vertretern. Verlieren aber die großen, alten Gesellschaften junge und gesunde Kunden, müssen sie die Preise erhöhen und werden noch unattraktiver. Für ihre Mutterkonzerne könnten sie so zu echten Sanierungsfällen werden.

Das Geschäftsmodell der privaten Krankenversicherer beruht bislang darauf, dass die Kunden bei einem Wechsel deutlich schlechter gestellt werden. Denn ihre über Jahre aufgebauten Alterungsrückstellungen bleiben bei der Gesellschaft, die sie verlassen. Seit Jahren monieren Verbraucherschützer und Politiker, dass dies keinen echten Wettbewerb ermöglicht. Der kommt jetzt möglicherweise über den Umweg Gesundheitsreform und Basistarif. Und schon zeigt sich, dass die im Zuge der Verfassungsbeschwerden gegen die Reform so eifrig beschworene Solidarität in der Branche kaum etwas wert ist. Die Angreifer wittern Beute – und wollen ihre Chance nutzen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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