Sprungbrett nach oben

Interne Revisoren kommen auch für Führungsposten in Frage. Eine Zusatzausbildung kann ihre Chancen steigern

Von Friederike Krieger Zweimal jährlich findet in Frankfurt am Main ein Test der besonderen Art statt: das CIA-Examen. Hier lassen sich allerdings keine Anwärter für den amerikanischen Geheimdienst auf Herz und Nieren prüfen, sondern Mitarbeiter aus dem Bereich der internen Revision. Bestehen sie das Examen, können sie sich künftig Certified Internal Auditor (CIA) nennen. Die Zusatzausbildung soll die Revisoren für neue Aufgaben qualifizieren – auch für eine spätere Managementkarriere.

Früher waren Revisoren in erster Linie interne Unternehmenspolizisten, die Abrechnungen wälzten und Belege überprüften. „Inzwischen beschäftigen sie sich mit allen Aspekten der Geschäftstätigkeit eines Unternehmens“, sagt Brigitte Holdinghausen vom Deutschen Institut für Interne Revision (IIR), das die CIA-Ausbildung anbietet.

Die Revisoren beurteilen die strategische Ausrichtung der Firma, machen Verbesserungsvorschläge und sind damit auch als interne Unternehmensberater tätig. Die vielfältigen Einblicke in alle Geschäftsbereiche machen sie zu idealen Kandidaten für Führungspositionen. „Für viele ist die Tätigkeit ein Sprungbrett für die weitere Karriere“, sagt Holdinghausen. Deshalb lernen die CIA-Anwärter nicht nur, wie eine Revisionsprüfung auszusehen hat. Auch Geschäftsführungsfähigkeiten stehen auf dem Stundenplan.

Um die berufsbegleitende Ausbildung beginnen zu können, müssen die Bewerber ein Universitäts- oder Fachhochschulstudium abgeschlossen und danach mindestens zwei Jahre im Bereich der internen Revision gearbeitet haben. Sie bereiten sich in erster Linie im Selbststudium auf die Prüfung vor. Wem die amerikanische Fachliteratur und die Prüfungssoftware nicht ausreicht, der kann zusätzlich noch Seminare beim IIR belegen. Rund 1000 Stunden Vorbereitungszeit und über 800 Euro an Prüfungs- und Materialkosten müssten die CIA-Anwärter für alle vier Examensteile aufbringen. Nicht alle schaffen die Prüfung auf Anhieb, rund 40 Prozent der Teilnehmer fallen durch.

Bei Michael Schneider klappte es erst beim vierten Anlauf. Er arbeitete bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers, als er sich entschloss, seinen CIA zu machen. Der Aufwand hat sich gelohnt, glaubt Schneider. „Die internationale Ausrichtung der Ausbildung hat mir persönlich sehr geholfen“, erklärt er.

So ist er nun mit den internationalen Rechnungslegungsvorschriften (IFRS) bestens vertraut. Zudem habe die Fachliteratur sein Wirtschaftsenglisch enorm verbessert. „Die CIA-Ausbildung hat meine Karriere definitiv beflügelt“, sagt er. Inzwischen arbeitet er als Revisionsleiter bei dem Wohnungsunternehmen DKB Immobilien.

Für die Abteilungsleiterebene der Revision werde der CIA zunehmend verlangt, bestätigt Tiemo Kracht, Geschäftsführer des Personalberaters Kienbaum Consultants. „Der Abschluss ist von Vorteil, wenn man sich langfristig als Führungskraft etablieren will“, sagt er.

Nicht nur die Inhalte der CIA-Prüfung seien wichtig, auch auf die Signalwirkung käme es an. „Der Revisor zeigt damit seinem Arbeitgeber, dass er hohe Qualitätsansprüche an sich selbst hat“, erklärt Kracht.

Zitat:

„Die Ausbildung hat meine Karriere beflügelt“ – Michael Schneider, DKB Immobilien –

Bild(er):

Unmöglich: Dies ist ein rektanguläres Objekt, das es in der Realität so gar nicht geben könnte – Agentur Focus/Science Photo Library

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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