Swiss Re bleibt kauflustig

Rückversicherer meldet geringeren Gewinnrückgang als erwartet · Konzernchef Aigrain verteidigt Deal mit Buffett

Von Herbert Fromme, Zürich D er Rückversicherer Swiss Re sucht weitere Akquisitionsmöglichkeiten und sieht sich dafür gut gerüstet – trotz des im November entdeckten Milliardenverlusts aus der US-Kreditkrise. „Wir wachsen seit Anfang der 90er-Jahre in einer Mischung aus eigenem Wachstum und Übernahmen“, sagte Konzernchef Jacques Aigrain der FTD.

Das Unternehmen hatte vor zwei Jahren den Rivalen GE Insurance Solutions übernommen. “ Swiss Re ist jederzeit dazu bereit, gute Gelegenheiten zu prüfen.“ Das gelte sowohl für Bestände von Lebens- und Sachversicherungen, die Swiss Re abwickelt, als auch für strategische Übernahmen. „Wir sind offen für Veränderungen der Landschaft“, sagte Aigrain. „Zurzeit haben wir aber keine Übernahmeziele.“

Das Unternehmen gab am Freitag einen Gewinn nach Steuern von 4,2 Mrd. Schweizer Franken (2,6 Mrd. Euro) bekannt, ein Rückgang von neun Prozent gegenüber den 4,6 Mrd. Franken des Vorjahres. Investoren waren erleichtert, die Aktie legte um 5,2 Prozent auf 84,10 Franken zu.

„Das Ergebnis spiegelt die Kraft des Unternehmens leider nicht in vollem Umfang wider“, sagte Aigrain. Im November hatte das Unternehmen einen Verlust von 1,2 Mrd. Franken aus einem Kreditversicherungsgeschäft entdeckt – wenige Tage nach einer Stellungnahme, dass keine größeren Verluste zu befürchten seien. Informationen aus dem Unternehmen, dass Aigrain damals seinen Rücktritt angeboten habe, wollte er nicht kommentieren. „Da müssen Sie den Verwaltungsratspräsidenten fragen“, sagte er. Zwar sei er nicht in die spezifische Transaktion verwickelt gewesen, gehe aber davon aus, dass es eine Grundverantwortung gebe.

Für das erste Quartal kündigte Finanzchef George Quinn weiteren Abschreibungsbedarf von 240 Mio. Franken aus dem Kreditgeschäft mit einem Gesamtvolumen von 5,3 Mrd. Franken an. „Dabei handelt es sich bisher um ein reines Bewertungsproblem, nicht um einen Barverlust“, sagte Aigrain. Aber es werde über kurz oder lang zu Barverlusten kommen.

Mit dem übrigen Geschäft zeigte er sich sehr zufrieden. Das Unternehmen legte beim Umsatz um sieben Prozent auf 31,7 Mrd. Franken zu. Damit dürfte es aber nicht mehr Weltmarktführer sein, den Titel führt wohl erneut der Rivale Münchener Rück. Für Schäden, Verwaltungs- und Vertriebskosten gab Swiss Re 2007 nur 90,2 Prozent der Prämien in der Schaden- und Unfallrückversicherung aus, nach 90,5 Prozent im Vorjahr. Für 2007 erwartet Quinn eine Verschlechterung auf 96 Prozent. Davon stamme die Hälfte aus einer Normalisierung der Naturkatastrophenbelastung, die andere Hälfte aus Preissenkungen.

Aigrain verteidigte den ungewöhnlichen Vertrag mit Warren Buffett. Der US-Investor, der mit drei Prozent an Swiss Re beteiligt ist, übernimmt für fünf Jahre unter einem Quotenvertrag 20 Prozent aller Swiss-Re-Prämien und -Schäden. „Dabei gewinnen tatsächlich beide“, sagte er. Buffett habe der Geschäftspolitik der Swiss Re „das ultimative Kompliment“ erwiesen, ohne jede Möglichkeit des Einflusses und der Einsicht in Kunden- oder Schadendaten die 20 Prozent zu übernehmen. Es sei keineswegs richtig, dabei von einer „Einladung zur Übernahme“ zu reden.

Zitat:

„Wir sind offen für Veränderungen der Landschaft“ – Swiss-Re-Chef Aigrain –

Bild(er):

Gewinneinbuße: Konzernchef Jacques Aigrain bedauert, dass ein fehlgeschlagenes Kreditversicherungsgeschäft die Bilanz eintrübt – Keystone/Walter Bieri

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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