Finanzkrise zwingtCash Life zu Schrumpfkurs

Aufkäufer von Lebensversicherungen in den roten Zahlen

Von Patrick Hagen, Frankfurt Dem Policenaufkäufer Cash Life setzt die Finanzkrise so stark zu, dass er das Geschäft drastisch reduzieren muss. Im vergangenen Jahr rutschte das Unternehmen mit 4,2 Mio. Euro ins Minus, nach einem Gewinn von 6,9 Mio. Euro im Jahr 2006. Cash Life sei in den vergangenen Jahren zu stark gewachsen, erklärte der seit Jahresanfang amtierende Vorstandsvorsitzende Frank Alexander de Boer gestern in Frankfurt. Er rechnete scharf mit der alten Unternehmensführung ab: „Das war eine Mischung aus Ignoranz und Größenwahn.“

Cash Life ist Marktführer unter den Aufkäufern von Lebensversicherungen. Die Firma kauft Policen von Kunden, die vor Ende der Laufzeit kündigen wollen, und zahlt dafür einen höheren Preis, als ihn der Versicherer gewähren würde.

Die Aufkäufer refinanzieren sich vor allem über geschlossene Fonds. Das Geschäftsmodell beruht auf der Differenz zwischen den Marktzinsen und der Rendite von Lebensversicherungen. Die Spanne schrumpft zurzeit wegen der Liquiditätskrise. „Wenn es so weitergeht, wird es für uns uninteressanter oder zu risikoreich, einen großen Handelsbestand zu fahren“, sagte de Boer. Zwar gebe es nach wie vor hohe Nachfrage bei den Fondshäusern. Er sei sich aber nicht sicher, dass das so bleibe. Zu dem Verlust haben auch hohe Kosten für Zinssicherungsgeschäfte beigetragen.

Deshalb fährt Cash Life das Geschäft zurück. Das Ankaufvolumen werde 2008 deutlich niedriger sein als die 745,5 Mio. Euro, die Cash Life 2007 erwarb. Zukünftig erwartet de Boer nur noch ein Volumen von 150 bis 300 Mio. Euro. Das Unternehmen wolle sich auf Policen mit sehr hoher Rendite konzentrieren. „Wir müssen uns auf die wahrscheinlich steigenden Anforderungen der Investoren an die Rendite der Policen anpassen“, sagte de Boer.

Zusätzlich hat de Boer dem Unternehmen einen rigiden Sparkurs verordnet, um die hohen Kosten in den Griff zu bekommen. Seit Jahresbeginn seien schon 7 Mio. Euroeingespart worden. Bis Ende 2008 sollen 40 Mitarbeiter gehen, der Personalabbau ist damit aber noch nicht abgeschlossen, sagte de Boer.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit