Kunden müssen sich mittelfristigauf steigende Preise einstellen

Schlechtere Konjunkturaussichten stoppen Erosion bei den Prämien

Von Ilse Schlingensiepen Die Talfahrt der Prämien in der Kreditversicherung ist gestoppt. „Wir haben das niedrigste Prämienniveau aller Zeiten, ich rechne nicht damit, dass die Preise noch weiter fallen“, sagt Carlo Ries vom Kreditversicherungsmakler Südvers. Mit Anhebungen müssten die meisten Kunden aber erst ab dem Jahr 2010 rechnen. Dann könnten einige allerdings böse Überraschungen erleben. „Es wird drastische Erhöhungen geben“, prognostiziert Ries.

Wenn Kreditversicherer wenige Schäden haben, übernehmen sie großzügiger Risiken und geben bei den Preisen nach. Das war in den vergangenen Jahren der Fall. Doch das erhöhte Risiko infolge der verschlechterten Konjunkturaussichten muss sich über kurz oder lang in den Prämien niederschlagen.

„Der Wind dreht sich um 180 Grad“, sagt Jochen Dümler, Vorstand beim Marktführer Euler Hermes. Die Erosion bei den Prämien sei beendet. „Wir gehen davon aus, dass die Preise wieder anziehen werden und der weiche Markt vorbei ist.“ Wie genau sich die Prämien entwickeln werden, hänge sehr stark von den einzelnen Branchen ab.

Coface hat aus dem sich verändernden Markt früh Konsequenzen gezogen. Ende 2007 kündigte das Unternehmen für Neuverträge eine durchschnittliche Prämienerhöhung um zehn Prozent an. Coface wolle die Kapazitäten nicht reduzieren und weiter Risiken übernehmen, sagt der Vorstandsvorsitzende Benoît Claire. „Wir wollen und brauchen aber einen adäquaten Preis für die Risiken.“

Peter Ingenlath, Vorstand von Atradius, hält es für schwierig, allgemeine Aussagen zu den Preisen zu treffen. „Unsere Preisfestlegung hängt sehr stark von den einzelnen Märkten ab und davon, wie wir die künftige Entwicklung einschätzen.“ Es sei immer Praxis der Versicherer gewesen, die einzelnen Risiken genau zu prüfen und entsprechende Preise zu kalkulieren. „Die großen Anbieter haben 2006 und 2007 anständige Ergebnisse erzielt. Das zeigt, dass wir wissen, was wir tun“, sagt Ingenlath.

„Wir bleiben bei unserem Prämienniveau, eine Erhöhung ist im Moment nicht vorgesehen“, berichtet Rudolf Servatius, Bereichsleiter Banken und Kreditversicherungen beim Versicherer R+V. „Wir sehen keine Branche, die vor dem Hintergrund der Insolvenzentwicklung besonders risikobehaftet ist.“

Nach Einschätzung von Makler Ries ist eine Sanierungsphase mit der Überprüfung der Verträge überfällig. „Die Versicherer erhalten keine marktgerechten Prämien für die Risiken, die sie übernehmen“, sagt Ries.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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