Finanzaufsicht gibt Entwarnung

BaFin hält Krise bei deutschen Banken für abgearbeitet · Strengere Überwachung von Ratingagenturen gefordert

Von Ute Göggelmann und Anja Krüger, Bonn Die deutschen Banken haben nach Ansicht der Finanzaufsicht BaFin aus jetziger Sicht die Subprime-Krise abgearbeitet. „Uns ist seit Längerem keine Bank bekannt, die irgendwelche Liquiditätsrisiken hätte“, sagte Jochen Sanio, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz. Die Risiken der Banken-Portfolios seien ausreichend abgedeckt, und alle Eigenkapitalnormen würden ohne Schwierigkeiten eingehalten.

Damit senden die Aufseher nach Monaten der Unsicherheit die Botschaft, dass mit weiteren dramatischen Rettungsaktionen wie bei der IKB und SachsenLB derzeit nicht zu rechnen ist. Aber: „Wir müssen die Banken weiter begleiten, beobachten und schauen, in welche Richtung das Ganze geht“, sagte Sabine Lautenschläger, Leiterin der Bankenaufsicht. Es gebe zwar keinen Anlass, Alarm zu schlagen, sagte auch der Versicherungs-Chefaufseher der BaFin, Thomas Steffen. „Ich werde aber keine Entwarnung geben.“ Deutsche Versicherer haben im Gegensatz zu einigen Banken nur einen geringen Teil ihres Kapitals in schlecht besicherte US-Hypothekenkredite investiert. „In den vergangenen Wochen haben diese Anlagen abgenommen“, sagte Steffen.

Möglicherweise werden diese Investments aber zunehmen, weil die Versicherer hier aufgrund der Marktlage Renditechancen sehen. Die Aufsicht werde nicht einschreiten, solange die zulässigen Grenzen eingehalten werden, sagte er.

Die fatalen Auswirkungen von schlecht besicherten US-Immobilienkrediten auf deutsche Banken und die daraus folgende internationale Finanz- und Vertrauenskrise hatte die BaFin überrascht, wie Sanio unumwunden zugab. Er teile die Ansicht von Bundespräsident Horst Köhler, dass sich die Märkte zu einem „Monster“ entwickelt haben, das in die Schranken gewiesen werden müsse. Ihm gefalle diese Formulierung, sagte Sanio.

Als ein dringend zu lösendes Problem nannte er die Überwachung der Ratingagenturen. Sie hatten über Jahre hinweg Kreditpakete mit Bestnoten versehen und dieselben Papiere nach Ausbruch der Hypothekenkrise auf Ramschniveau herabgestuft. Das führte bei vielen Banken, die diese Papiere in den Büchern hatten, zu milliardenschweren Abschreibungen. Sanio fordert ein Gremium aus unabhängigen Fachleuten, die die Ratingagenturen auf freiwilliger Basis prüfen sollen. „Das Gremium wäre zwar keine Regulierung mit klassischen Sanktionsmaßnahmen, aber eine öffentliche Brandmarkung würde einer Ratingagentur ihre wichtigste Basis nehmen: Vertrauen“, sagte Sanio. Die EU-Kommission bekomme Ende Mai dazu Vorschläge der internationalen Organisation der Wertpapieraufseher.

Skeptisch ist er dagegen bei der aus seiner Sicht dringend gebotenen Reform der internationalen Bilanzierungsstandards bei Papieren, die wegen fehlender Marktpreise nicht bewertet werden können. Es könne nicht sein, dass die Wahl der Bewertungsmethode allein den Banken überlassen bleibe oder von der Großzügigkeit des Abschlussprüfers abhänge, sagte BaFinPräsident Sanio. Sollten sich die Standardgeber in den USA nicht zügig um Veränderungen bemühen, „müssen eben andere einspringen“.

Weiter forderte er ein Ende der Deregulierung und mehr Prävention: „Ohne einen vernünftigen Regulierungsrahmen werden es die Märkte auch beim nächsten Mal wieder falsch machen.“

Zitat:

„Die Risiken der Bankenportfolios sind ausreichend abgedeckt“ – Jochen Sanio,BaFin-Präsident –

Bild(er):

Überrollt: BaFin-Präsident Jochen Sanio wurde von den dramatischen Folgen der US-Hypothekenkrise auf deutsche Banken völlig überrascht – picture-alliance/dpa

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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