Riester rettet MLP-Gewinn

Quartalszahlen ärgern Anleger · Originäres Neugeschäft schwächelt

Von Herbert Fromme, Köln Der Wieslocher Finanzvertrieb MLP hat gestern enttäuschende Zahlen für das erste Quartal 2008 vorgelegt. MLP verkauft mit Handelsvertretern Lebens- und Krankenversicherungen sowie Fonds und andere Kapitalanlagen. Außerdem gehört die Vermögensverwaltung Feri zum Unternehmen.

Der Konzern hat die Einnahmen aus Provisionen und Gebühren zwar um 22 Mio. Euro auf 141 Mio.Euro und die Gesamterlöse von 146 Mio. Euro auf 158 Mio. Euro gesteigert. Allerdings stammen 40 Mio. Euro davon aus der letztmaligen Erhöhung der staatlich geförderten Beiträge zur Riester-Rente, die Anfang 2008 in Kraft trat. Ohne diesen weitgehend automatisch generierten Umsatz wären Provisionen und Erlöse eingebrochen. Die MLP-Aktie verlor 2,2 Prozent auf 11,33 Euro, allerdings war sie am Vortag auf Grund von Übernahmegerüchten um 5,5 Prozent gestiegen.

Die Riester-Anpassung gilt auch als Neugeschäft, deshalb konnte MLP den Rekordwert von 1,9 Mrd. Euro Beitragssumme im Lebens-Neugeschäft melden. Im Vorjahr waren es 0,9 Mrd. Euro.

Im originären Lebensversicherungs-Neugeschäft hakt es – wie in der gesamten Branche, die im ersten Quartal über Rückgänge klagt. Ein Grund ist die Umstellung auf das neue Versicherungsvertragsgesetz, die vielen Vertretern und Gesellschaften Probleme bereitet.

Besonders schlimm erwischt hat es die Krankenversicherung. Aus dem Vertrieb privater Krankenpolicen generierte MLP im ersten Quartal nur 11,4 Mio. Euro, verglichen mit 25,6 Mio.Euro im Vergleichsquartal. Die Gesundheitsreform und die dreijährige Wartefrist für Wechsel von Kassen in die Privatversicherung schlugen negativ zu Buche.

Der MLP-Gewinn nach Steuern sank von 10,2 Mio. Euro auf 6,8 Mio.Euro, der Gewinn pro Aktie von 0,10 Euro auf 0,07 Euro. Grund sei eine Sonderdividende an die verbleibenden Aktionäre von Feri; diese gehört 2011 voll zu MLP. Sie belastete das Finanzergebnis mit 7,8 Mio. Euro Euro, die MLP nicht als Betriebsausgaben steuerlich geltend machen kann. Trotzdem soll die Dividende an alle Aktionäre von 0,40 Euro auf 0,50 Euro steigen.

Die Zahl der Vertreter ging leicht von 2613 auf 2602 zurück. Konzernchef Uwe Schroeder-Wildberg kommt nicht voran beim Erreichen seines schon für 2007 ausgegebenen Ziels, mit 2750 Vertretern zu arbeiten. Abwerbungen von den neuen Konkurrenzvertrieben Formaxx und Mayflower machen sich offenbar doch bemerkbar. Eine Reihe prominenter MLP-Geschäftsstellenleiter sowie die Ex-Vorstände Eugen Bucher und Roman Hadjio haben MLP verlassen und werben jetzt Personal für ihre neuen Unternehmen ab.

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Die MLP-Zentrale in Wiesloch muss mit mäßigem Neugeschäft kämpfen – Michael Latz/ddp

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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