Versicherer kommen in China glimpflich davon

Weltweite Kosten belaufen sich auf maximal 1 Mrd. Dollar

Von Patrick Hagen, köln Das Erdbeben in China kostet die Versicherungswirtschaft nach Schätzungen von Applied Insurance Research (AIR) weltweit 300 Mio. $ bis 1 Mrd. $. Für die Versicherer ist die Katastrophe damit überschaubar. Ein Erdbeben gleicher Stärke in Europa oder den USA wäre viel teurer: So kostete das Northridge-Erdbeben in Kalifornien die Assekuranz 1994 mehr als 19 Mrd. $ in heutigen Preisen. Der Hurrikan „Katrina“ verursachte eine Belastung von etwa 41 Mrd. $.

Die Zahl der Toten des Erdbebens in der Region Sichuan mit Stärke 7,9 liegt nach amtlichen Angaben mittlerweile bei 65 080. Über 23 000 Menschen werden noch vermisst.

Hannover Rück, der viertgrößte Rückversicherer der Welt, geht von einer niedrigen Belastung durch die Katastrophe in Höhe von rund 10 Mio. Euro aus. „Unser Engagement ist relativ gering, da die Preise dort zum größten Teil nicht risikoadäquat sind“, sagte eine Sprecherin. Die größten Rückversicherer Münchener Rück und Swiss Re äußerten sich zunächst nicht. Rückversicherer sind von Naturkatastrophen besonders betroffen, weil sie Erstversicherern Schutz vor Großrisiken bieten. Chinesische Versicherer haben bisher 7,3 Mio. $ bezahlt, teilte die zuständige staatliche Regulierungsbehörde mit.

Neben Sachschäden vor allem an Gebäuden erwarten Versicherer Kosten durch Produktionsausfälle. „Die Betriebsunterbrechung könnte zu einer stärkeren Belastung führen als der reine Sachschaden“, sagte die Hannover-Rück-Sprecherin. Viele Unternehmen, darunter auch Toyota, hatten die Produktion zeitweilig gestoppt, um ihre Anlagen zu überprüfen.

Die Katastrophenmodellierer AIR und RMS rechnen damit, dass das Beben Schäden an Gebäuden von bis zu 20 Mrd. $ verursacht hat. Dazu kommen Zerstörungen an Infrastruktur und Inventar. Das Spezialunternehmen Eqecat schätzt den gesamten volkswirtschaftlichen Schaden auf bis zu 75 Mrd. $. RMS geht davon aus, dass das Erdbeben den bisher größten Versicherungsschaden in China verursacht hat.

In der betroffenen Region ist nur ein Bruchteil der Gebäude versichert. Wohngebäude haben in der Regel gar keine Deckung, Gewerbeimmobilien selten. In der Provinzhauptstadt Chengdu, wo zahlreiche internationale Konzerne ihre gut versicherten Industrieanlagen haben, fielen die Schäden verhältnismäßig gering aus.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit