Versicherer warnt vor Panikmache

HUK-Coburg stellt sich bei Gesundheitsreform gegen Branche · „Keine Preisexplosion“

Von Ilse Schlingensiepen, Köln Die HUK-Coburg warnt davor, bei den Kunden der privaten Krankenversicherung (PKV) wegen der Gesundheitsreform Panik zu verbreiten. Zwar lehne auch die Coburger Versicherungsgruppe die starken Eingriffe des Gesetzgebers in die Branche ab, Horrorszenarien seien aber fehl am Platz, sagte Christian Hofer, Vorstand der HUK-Coburg Krankenversicherung, der FTD. „Zumindest ein Teil der zu erwartenden Wettbewerbsverzerrungen wird auf die Politik der einzelnen Unternehmen zurückzuführen sein, nicht auf die gesetzlichen Vorgaben“, sagte Hofer.

Verschiedene Punkte der Gesundheitsreform liegen der PKV-Branche schwer im Magen. Rund 30 Unternehmen haben gegen die Reform Verfassungsbeschwerde eingelegt. Sie repräsentieren den größten Teil des Marktes. Die HUK-Coburg gehört nicht zu ihnen.

Zwei Elemente kritisieren die Privatversicherer besonders: den Basistarif, den alle Unternehmen von 2009 an einführen müssen, und die künftige Möglichkeit für Kunden, bei einem Wechsel des Anbieters zumindest einen Teil der angesparten Alterungsrückstellungen mitzunehmen. Beide Faktoren werden nach Angaben vieler Branchenvertreter die PKV-Prämien deutlich erhöhen.

„Man kann nicht generell sagen, dass die Prämien für die PKV-Versicherten sehr viel teurer werden“, sagte Hofer. Bei der HUK-Coburg werden die Beitragssteigerungen nach der bisherigen Kalkulation nicht so hoch ausfallen. „Je nach Tarif werden wir um zwei bis fünf Prozent teurer.“ Ein wesentlicher Grund sei, dass es bei dem Versicherer in der Vergangenheit nur wenige Stornierungen gab. Bislang fallen die Alterungsrückstellungen bei Vertragsende an das Versichertenkollektiv, wodurch das Prämienniveau sinkt. Bei Unternehmen, die in der Vergangenheit hohe Stornoquoten hatten, wird die neue Regelung sehr viel stärker zu Buche schlagen.

Ein weiteres Argument, das die PKV gegen die Gesundheitsreform anführt, ist die zu erwartende Risikoselektion. Das Argument der Branche: Wechseln werden vor allem jüngere und gesunde Versicherte. Für Ältere und Kranke, die bei einem Wechsel mit Risikozuschlägen und damit deutlich höheren Prämien rechnen müssten, lohnt sich der Schritt nicht.

Wenn aus alten Tarifen viele sogenannte gute Risiken weggehen, werden diese Anbieter zunehmend unattraktiv – und dürften kaum neue Kunden finden. Für die Bestandskunden steigen dann die Prämien.

„Man kann als Unternehmen etwas gegen diese Risikoselektion tun“, sagte Hofer. Die HUK-Coburg werde die Tarife alter Art mit denen nach den neuen Spielregeln als eine Risikogemeinschaft behandeln, kündigte er an. Das könnte Verzerrungseffekte deutlich abmildern. Der Versicherer geht davon aus, dass er durch den Wechsel mindestens ebenso viele Kunden gewinnt, wie er an andere verliert. Unternehmen mit eher unattraktiven Tarifen hätten im Wettbewerb durch die Wechselmöglichkeiten tatsächlich schlechtere Karten. Das könne man aber nicht der Politik anlasten, sagte Hofer.

Zitat:

„Je nach Tarif werden wir um zwei bis fünf Prozent teurer“ – Christian Hofer –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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