50 Jahre steuerfrei

Dubai hat sich zu einem Zentrum des weltweiten Seehandels gemausert. Jetzt will das Emirat Reedereien locken, ihren Hauptsitz in die Region zu verlegen

VON Katrin Berkenkopf und Herbert Fromme Die Bedingungen sind traumhaft: 50 Jahre sollen Reedereien und andere Transportunternehmen keinerlei Steuern zahlen, wenn sie ihren Hauptsitz nach Dubai verlegen. Das Angebot ist Kernstück des Plans für das „Maritime Center“. Parallel zur Freihandelszone und zum Finanzzentrum sucht das Emirat jetzt eine Rolle als globales Schifffahrtszentrum.

Das vergleichsweise kleine Emirat Dubai gehört bereits zu den führenden Häfen der Welt. In der Liga der größten Containerterminals hat Dubai Platz sieben erreicht. Der staatliche Betreiber DP World dreht aber ein viel größeres Rad. Er gehört mittlerweile zu den weltweit größten Betreibern von Containerterminals auf fast allen Kontinenten. 43 Anlagen sind derzeit in Betrieb. Sie erwirtschafteten 2007 einen Umsatz von 2,7 Mrd. $ und einen Gewinn von 420 Mio. $ – das waren 52 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

2007 schlugen die DP-World-Terminals Container mit einem Volumen von 43,3 Millionen TEU (Standardcontainermaß) um, ein Zuwachs von rund 18 Prozent. Die Kapazität liegt derzeit bei rund 48 Millionen TEU; bis 2017 sollen es 90 Millionen sein, nicht zuletzt dank neuer Projekte. So hat DP World den Zuschlag für den Bau eines Containerterminals nahe London erhalten.

Wegen ihres starken Expansionsdrangs sah sich DP World 2006 plötzlich im Zentrum eines heftigen innenpolitischen Streits. Das Dubaier Unternehmen hatte den global agierenden britischen Terminalbetreiber P&O gekauft, der eine ganze Reihe von Anlagen in den USA besaß.

US-Politiker sahen die Sicherheit bedroht. Nach einer kurzen, heftigen Auseinandersetzung in den US-Medien verkaufte DP World die US-Terminals, schließt aber ein erneutes Engagement in den USA nicht aus. „Zum richtigen Zeitpunkt ist das ein Standort, an dem wir vertreten sein möchten, aber wir haben keine Eile“, sagt Finanzchef Yuvraj Narayan.

Dubais Stellung als Welthafen und globaler Hafenbetreiber hat historische Gründe. Anders als die Nachbarn hatte das Emirat nie viel Öl, war aber als Handelszentrum schon lange beliebt – der Iran, Indien und die arabische Halbinsel zählten zu den wichtigen Märkten, die sich über Dubai austauschten.

Das rasche Wachstum des Welthandels gerade in der Region in den Siebzigern eröffnete Dubai eine einmalige Gelegenheit. Die Schiffe wurden immer größer, die Häfen in Indien und in den meisten arabischen Ländern immer verstopfter – auch weil die vielfach bürokratische Abfertigung viel Zeit und Kraft kostete.

Dubai baute den Stadthafen Port Rashid aus und in den Siebzigern den gigantischen neuen Hafen Jebel Ali, 35 Kilometer südwestlich von Dubai Stadt, der 1979 eröffnet wurde. Als Berater heuerte Dubai britische Unternehmen für Port Rashid und amerikanische Firmen für Jebel Ali an. Binnen weniger Jahre hatte sich das Emirat die Position als führender Umladehafen in der Region gesichert. Statt größere Containerfrachter, die mehr als 30 000 $ Tagesmiete kosten, wochenlang vor indischen Häfen warten zu lassen, laden die globalen Reedereien ihre Waren in Dubai ab und lassen sie mit kleineren Schiffen weitertransportieren. Die große Freihandelszone Jebel Ali Free Zone neben dem Hafen, in der Industrie und Gewerbe steuergünstig angesiedelt wurden, sorgte dann ebenso wie die naheliegende Aluminiumhütte für örtliche Ladung – auch das lieben die Reeder.

Die Position von Dubai als Hafenzentrum ist unangefochten, die als Reedereizentrum muss sich das Emirat noch erarbeiten. Das neue „Maritime Center“ soll 2012 fertiggestellt sein. Dubai setzt darauf, dass es als Sitz für Reedereien, Speditionen und verwandte Branchen hochattraktiv ist, auch wegen des Transithafens.

Diese Stellung dürfte durch eine Entscheidung von DP World noch gestärkt werden. Das Unternehmen verlegt den Güterverkehr aus dem Stadthafen Port Rashid nach Jebel Ali. Port Rashid soll vor allem für die wachsende Zahl von Kreuzfahrtschiffen offen bleiben. Wenn aber der gesamte Schiffsverkehr in einem Hafen konzentriert wird, erleichtert das den Transit noch mehr, das Umladen wird schneller. „Port Rashid ist Teil unserer Geschichte und wird deshalb immer wichtig sein für uns und für die Stadt“, sagt der zuständige DP-World-Manager Mohammed Al Muallem. Die Containerterminals von Jebel Ali werden derzeit kräftig ausgebaut. Anfang 2009 soll die Kapazität der Anlagen bei 14 bis 15 Millionen TEU liegen.

Im vergangenen Jahr schlugen die Häfen in Dubai 10,7 Millionen TEU um, mehr als 90 Prozent davon in Jebel Ali. Das Ergebnis hätte noch besser sein können, wenn Kapazitätsengpässe gegen Ende 2007 nicht die Abfertigung behindert hätten.

In diesem Jahr will Dubai erneut stärker wachsen als der weltweite Containertransport. An Visionen auf lange Sicht fehlt es nicht: „Wir haben genaue Pläne parat, die es erlauben würden, die Kapazität bis 2030 auf rund 50 Millionen TEU zu erweitern, in 14 Etappen und je nachdem, wie es die Nachfrage des Markts erfordert“, erläutert Al Muallem. Seit November ist DP World an der Börse notiert. Für 23 Prozent des Unternehmens zahlten Investoren fast 5 Mrd. $, die vor allem in den Ausbau der weiteren Aktivitäten fließen sollen. Die Emission war 15-fach überzeichnet und kam für 1,30 $ je Aktie auf den Markt, dem obersten Rand der anvisierten Preisspanne.

Der Aktienkurs hat sich seitdem allerdings nicht so erfolgreich wie das operative Geschäft entwickelt. Derzeit dümpelt er bei weniger als 1 $. Analysten haben die Aktie zum Kauf empfohlen, das Hafengeschäft sei schließlich eine stabile Wachstumsbranche. Der Gewinn des Unternehmens könnte bereits in diesem Jahr auf 563 Mio. $ steigen, glauben sie.

Zitat:

“ „Port Rashid ist Teil unserer Geschichte“ “ – DP-World-Manager Al Muallem –

Bild(er):

Fracht, so weit das Auge reicht: Ein Sicherheitsbeamter steht auf einer Rampe und überblickt die Container im Hafen Jebel Ali – laif/Redux/The New York Times/Shawn Baldwin;FTD/Goetz Schleser

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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