Firmen werden Versicherern schneller untreu

Für die Finanzbranche wird die Deckung teurer

Von Anja Krüger Unternehmen halten den Anbietern der Berufshaftpflichtversicherung für ihre Topmanager längst nicht mehr so die Treue wie früher. „Für eine geringere Prämie sind Firmen heute sehr viel eher bereit, den D&O-Versicherer zu wechseln als sie es in der Vergangenheit waren“, sagt Michael Ullrich, D&O-Experte des Versicherers Zurich.

Mit Managerhaftpflicht-Policen, der sogenannten Directors‘ and Officers‘ Liability (D&O), schützen Unternehmen ihr Führungspersonal vor Schadenersatzansprüchen, die aus ihrer Berufstätigkeit resultieren können. Noch vor wenigen Jahren war es für Unternehmen schwer, eine gute Deckung zu einem angemessenen Preis zu bekommen. Aufgrund des starken Konkurrenzdrucks unter den Versicherern sind die Preise stark gefallen. Auch die Bedingungen haben sich verbessert. Früher scheuten Firmen den Versichererwechsel aus Angst vor Deckungslücken. Doch die Anbieter haben Instrumente entwickelt, um diese Risiken zu mindern, sagt Ullrich. „Mittlerweile sind Versicherer bereit, Schäden aus der Vergangenheit mit zu übernehmen.“ Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Schäden erst in der Gegenwart bekannt werden.

Auch der Druck vonseiten der Vermittler führt zu einem häufigeren Versichererwechsel. „Wir haben einen starken Maklerwettbewerb“, sagt Ullrich. Die Firmen beauftragten Makler nicht mehr für mehrere Jahre mit der Betreuung einer Police, sondern schalteten mehrere Vermittler ein. Die Broker ständen deshalb unter besonderem Erfolgsdruck.

Ullrich ist davon überzeugt, dass der Preisverfall in der Sparte gestoppt ist. „Die Talsohle ist durchschritten“, sagt er. „Die Versicherer müssen mit Prämieneinnahmen leben, die nicht mehr auskömmlich sind.“ Ullrich glaubt, dass die Prämien um 10 bis 15 Prozent steigen werden, für Firmen mit Listung an einer US-Börse oder aus der Finanzbranche noch mehr. Experten gehen davon aus, dass die aktuelle Finanzkrise zu vielen D&O-Schäden führen wird.

Sorgenkinder

Auch Peter Paul Geppert von HDI-Gerling glaubt, dass für Banken, Versicherungen, Investmentfonds und andere Firmen aus der Finanzbranche die Preise anziehen. „Teilweise haben diese Unternehmen Probleme, überhaupt höhere Kapazitäten zu bekommen“, sagt er. D&O-Anbieter schauen sich diese Risiken besonders genau an und zögern eher mit Abschlüssen. Experten fragen sich, ob die Branche neben Problemen mit zweitklassigen US-Hypotheken noch andere hat.

„Die Versicherer beobachten die Finanzkrise und warten ab“, bestätigt Dirk Wietzke vom Versicherungsmakler Marsh. Unternehmen aus der Finanzbranche waren wegen des hohen Schadenpotenzials immer schon die Sorgenkinder der D&O-Versicherer. Sie kamen als letzte im Markt in den Genuss von nachlassenden Preisen und kulanteren Bedingungen und bekommen als erste die Trendwende zu spüren.Wietzke geht davon aus, dass für die anderen Branchen die Kosten für den D&O-Schutz zumindest nicht weiter fallen. „Die Preise haben die Bodenbildung erreicht“, sagt er.

Die Konkurrenz sieht das anders. „Im Bereich der Industrie gehen die Preise weiter nach unten“, sagt Harald Köberich vom D&O-Spezialmakler Ihlas & Köberich. „Die Preise fallen weiter“, sagt auch Martina Heim vom Versicherungsmakler Südvers. Trotz großer Schadenfälle sei die Tendenz eindeutig: „Es wird im Zweifel eher billiger als teurer.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit