PKV-Vertreter beschwören Einigkeit

Private Krankenversicherer lehnen Positionspapier ab

Von Ilse Schlingensiepen, Berlin Das in der Assekuranz diskutierte Konzept zur Neuorientierung der Krankenversicherung ist innerhalb der privaten Krankenversicherer (PKV) nicht mehrheitsfähig. Das sagte der Vorsitzende des PKV-Verbands Reinhold Schulte in Berlin. „Niemand in der PKV will die Vollversicherung oder gar die Kapitaldeckung aufgeben.“

Damit reagierte er indirekt auf einen FTD-Bericht über ein Positionspapier aus dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, das hohe Wellen geschlagen hatte. Das Papier sieht die Abkehr vom Doppelsystem von gesetzlicher und privater Krankenversicherung zugunsten einer einheitlichen Lösung vor. Das würde die PKV komplett verändern.

Das Papier sei unabgestimmt in die Öffentlichkeit gelangt und gebe nicht die Position des Verbands wieder, sagte Schulte, der Chef der Signal Iduna Versicherungsgruppe ist. Auch Berichte, dass Unternehmen mit der strategischen Ausrichtung des PKV-Verbands nicht einverstanden seien, wies Schulte zurück. „Es gibt keine direkte oder indirekte Spaltung, alle Unternehmen stehen sehr solidarisch zum PKV-Verband.“

Schulte räumte aber ein, dass es in der Branche Differenzen über den Umgang mit dem künftigen Basistarif gibt, den die Unternehmen als Sozialtarif anbieten müssen. Streitpunkt ist die Frage, ob man den PKV-Kunden im ersten Halbjahr 2009 bei einem Wechsel des Anbieters die Mitnahme eines Teils der Alterungsrückstellungen ausschließlich für den Basistarif ermöglicht oder auch, wenn die Kunden beim neuen Unternehmen wieder in einen anderen Tarif gehen. Die Spitze des PKV-Verbands hofft auf eine gesetzliche Lösung, nach der Versicherte mindestens zwei oder drei Jahre im Basistarif bleiben müssen. Einzelne Unternehmen setzen auf großzügigere Wechselmöglichkeiten, um Kunden von Konkurrenten abwerben zu können. Eine Entscheidung der Regierung zu dieser Frage steht noch aus.

Die PKV wolle sich verstärkt unter Service- und Qualitätsgesichtspunkten von den gesetzlichen Krankenkassen abheben, kündigte Schulte an. In der Pflegeversicherung werden die Privatversicherer ein eigenes Modell entwickeln, um ab 2009 den gesetzlichen Anspruch von Pflegebedürftigen auf eine Pflegeberatung erfüllen zu können.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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