Talanx bietet für türkische Versicherer

Expansion im Ausland geplant · Kooperation mit Postbank und Citibank sollauch nach deren Verkauf erhaltenbleiben

VON Herbert Fromme, Hannover Der Hannoveraner Versicherer Talanx bietet nach Angaben aus Versicherungskreisen zusammen mit der französischen CNP Assurances für zwei türkische Versicherer. Die Übernahme von Yapi Kredi Sigorta und Yapi Kredi Emeklilik könnte mehr als 1 Mrd. $ schwer sein.

Konzernchef Herbert Haas sagte gestern, Talanx wolle vor allem im Ausland wachsen. Die Wahrscheinlichkeit sei nicht klein, dass Talanx sich die Yapi-Kredi-Gesellschaften anschaue, sagte Haas. Tatsächlich sei ein Angebot aber schon beschlossen, so die Kreise. Haas sagte lediglich, sein Haus verhandele zur Zeit wegen „einer Gesellschaft in Südeuropa“.

Die beiden Versicherer gehören der Bank Yapi Kredi, die von einem Gemeinschaftsunternehmen der Koc-Gruppe und der italienischen Unicredit kontrolliert wird. Talanx und CNP würden die Sach- und die Lebensversicherung unter sich aufteilen, wenn sie zum Zuge kämen. Auch die Allianz, die enge Beziehungen zur Koc Holding unterhält, hat Interesse geäußert. Außerdem sollen die französische Groupama, Zurich, Aegon und Ergo bieten. Möglicherweise sei das ganze Bieterverfahren aber nur dazu da, einen realistischen Marktpreis zu finden, um dann an die Allianz zu verkaufen, so die Kreise. Talanx ist in der Türkei bereits aktiv.

Haas sagte, im Inland seien Zukäufe für den Konzern, der 2006 den Rivalen Gerling übernommen hatte, nur in wenigen Fällen sinnvoll. Die Finanzierung von Auslandsübernahmen sei kein Problem. „Wir haben genug Geld.“

Talanx wird von einem Versicherungsverein kontrolliert. Der seit mehr als zehn Jahren immer wieder als Ziel genannte Börsengang werde kaum 2008 stattfinden, sagte Haas. Erstens wolle Talanx der Börse die positiven Auswirkungen der Gerling-Integration präsentieren, die erst 2008 – in der IT noch später – abgeschlossen werde. Zweitens könnten sich Unsicherheiten wegen der künftigen Kooperation mit Citibank und Postbank negativ auswirken. Mit den beiden Bankpartnern setzt Talanx jährlich 1,5 Mrd. Euro um.

Haas und Vorstand Norbert Kox, der für die Zusammenarbeit mit den Banken zuständig ist, gehen davon aus, dass die Kooperationen auch dann fortgesetzt werden, wenn Citibank und Postbank verkauft würden. „Wir haben mit der Citibank einen Kooperationsvertrag bis 2025“, sagte Haas. Der gelte auch nach einem Verkauf. Die Bank erhalte jährlich mehr als 300 Mio. Euro Provision von der Talanx-Tochter CiV, sagte Kox. Auf diese Einnahmen wolle auch ein Käufer nicht verzichten, selbst wenn er eine eigene Versicherungsgruppe habe. „Das dauert Jahre, um die so eng zu verzahnen“, sagte Haas. „Wir sind besser als die Generali bei der Commerzbank oder die Zurich bei der Deutschen Bank.“ Er schloss aber nicht aus, dass sich Talanx aus den Verträgen herauskaufen lässt, „wenn ein sehr attraktiver Preis auf dem Tisch liegt“. Das könnten jeweils 1 Mrd. Euro sein. Die Postbank ist bis 2022 gebunden.

Der Konzern, zu dem die HDI-Gerling-Versicherer und Hannover Rück gehören, steigerte 2007 den Gewinn um 37 Prozent auf 999 Mio. Euro. Nach Abzug der Minderheitsanteile, vor allem für Aktionäre der Hannover Rück, verblieben 477 Mio. Euro, ein Plus von 21 Prozent. Für 2008 erwartet Haas kaum Wachstum und eine leichte Steigerung des operativen Gewinns.

Zitat:

„Wir sind besser als Generaliund Zurich“ – Talanx-ChefHerbert Haas –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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