Wuermeling wird Cheflobbyist für Versicherer

Früherer Staatssekretär soll Interessen der Branche in Europa undinternational vertreten · AuchAllianz geht in die Offensive

Von Herbert Fromme, Köln Der 47-jährige CSU-Politiker Joachim Wuermeling wird internationaler Cheflobbyist der deutschen Versicherungswirtschaft. Ab Juli besetzt er die neu geschaffene Position eines Bevollmächtigten für europäische und internationale Angelegenheiten beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), bestätigte ein Verbandssprecher gestern eine entsprechende Onlinemeldung des Nachrichtenmagazins „Focus“. Wuermeling war zuletzt von 2005 bis vor wenigen Wochen beamteter Europastaatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

Mit der Personalie reagiert die Branche auf die wachsenden Aktivitäten vor allem der EU-Kommission. In jüngster Zeit stieß die EU eine Reihe von gesetzgeberischen und regulatorischen Initiativen an, die in vielen Einzelheiten Unmut in der deutschen Versicherungswirtschaft provozierten. Dazu gehören die EU-Vermittlerrichtlinie und die grundlegende Untersuchung des Markts für Industrieversicherung. Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes und Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy streben einen wesentlichen Umbau der Assekuranz in Europa an, der nicht immer mit den Zielen der deutschen Gesellschaften übereinstimmt.

Mit Wuermeling holen sich die Versicherer einen Kenner der politischen Strukturen. Der Jurist hat den größten Teil seiner Karriere in der EU-Politik verbracht, von 1989 bis 1993 als Europareferent der Bayerischen Landesvertretung in Bonn, von 1993 bis 1999 als Referatsleiter in der Europaabteilung der Münchner Staatskanzlei, parallel von 1993 bis 1995 Mitarbeiter des EU-Kommissars Peter Schmidhuber (CSU). Zwischen 1999 und 2005 saß Wuermeling im Europäischen Parlament. Er stammt aus einer Politikerfamilie. Vater Georg Wuermeling war Landrat im Landkreis Limburg-Weilburg, Großvater Franz-Josef Wuermeling Familienminister unter Konrad Adenauer.

Auch in Berlin sehen die großen Konzerne Verbesserungsbedarf in der Kommunikation mit Regierung und Parlament. Die Gesundheitsreform und Teile des Versicherungsvertragsgesetzes stellen schmerzhafte Niederlagen für die Assekuranz dar. Ähnliche Probleme gibt es in anderen Ländern.

Die Allianz hat die Konsequenzen gezogen: Der weltgrößte Versicherungskonzern hat den Ex-Botschafter Wolfgang Ischinger als Generalbevollmächtigten für Regierungsbeziehungen angeheuert und baut in München eine Abteilung auf. Der 61-Jährige war lange Jahre Staatssekretär sowie Botschafter in London und Washington und gilt auch in Berlin als gut vernetzt. Vor Ort in der Bundeshauptstadt arbeitet seit Neuestem der altgediente Allianz-Manager Benno von Canstein. In Brüssel wurde Gilles Johanet neuer Chef der Repräsentanz. Johanet war vorher Vorstand des französischen Versicherungsriesen AGF, einer Tochter der Allianz.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit