Allianz testet Kooperation mit Ford-Werkstätten

Größter Versicherer weitet Kampf gegen Betrug in der Autoversicherung aus ·Unfallkosten werden transparenter · Gespräche mit Volkswagen

Von Herbert Fromme, Köln

Die Allianz weitet ihr Netz von Kooperationspartnern unter Autowerkstätten deutlich aus und verstärkt damit ihren Kampf gegen Betrug in der Autoversicherung. Die Allianz testet nun erstmals die Zusammenarbeit mit Ford, VW soll noch in diesem Jahr hinzukommen. Mit Opel besteht bereits ein Rahmenabkommen.

Die Allianz will mit ihrem Konzept die Schadenbearbeitung in der Autoversicherung transparenter und schneller machen – und den Betrug eindämmen. Jährlich zahlt sie 2,4 Mrd. Euro für Schäden in der Autoversicherung. Der Versicherer schließt keine festen Verträge mit den Werkstätten, sondern bietet ihnen die Option, Schäden unter dem „Fairplay“-System zu reparieren. Die Werkstatt schickt per Internet Fotos und Reparaturvorschlag in das Allianz-System, das in der Regel automatisch binnen zwei Stunden die Freigabe erteilt. Nur in Einzelfällen müssen Sachbearbeiter und Gutachter tätig werden.

Mit ihrer Kooperationsstrategie unterscheidet sich die Allianz in der Autoversicherung von ihrem großen Konkurrenten HUK-Coburg. „Die Werkstätten arbeiten innerhalb eines gemeinsam vereinbarten Zeitrahmens zu Preisen auf ortsüblichem Niveau“, sagt Karl-Walter Gutberlet, Vorstandsmitglied der Allianz Versicherung. „Wir wollen nicht die Stundensätze der Werkstätten drücken, wie das die HUK-Coburg tut, sondern mit ihnen vereinbaren, dass Standardreparaturen nach festen Regeln abgerechnet werden.“

Weltweit kooperiert die Allianz mit zwölf Herstellern. Von ihren 8,9 Millionen deutschen Verträgen hat die Allianz 1,3 Millionen über Hersteller verkauft.

Rivale HUK-Coburg betreibt mit der VHV-Versicherung ein Netz von 1200 Werkstätten, davon 600 herstellergebundene. Der Versicherer handelt „Großhandelskonditionen“ bei den Stundensätzen aus und vergibt dafür eine Mindestmenge an Aufträgen. Rund eine Million HUK-Kunden müssen Schäden dort reparieren lassen und zahlen 20 Prozent weniger Kaskoprämie.

Mit 7,7 Millionen versicherten Fahrzeugen kann die HUK-Coburg die Werkstätten füllen. Erst recht gilt das für die Allianz mit 8,9 Millionen Fahrzeugen. Kleinere Anbieter können da kaum mithalten.

Die Allianz verfügt Gutberlet zufolge über mehr als 900 Partnerbetriebe, davon 300 Opel-Werkstätten. Täglich kämen 20 Betriebe hinzu. Vereinbarungen hat der Versicherer auch mit dem Zentralverband der Karosserie- und Fahrzeugbauer und der Bundesfachgruppe Fahrzeuglackierer.

Die Allianz punktet laut Gutberlet bei der Kooperation mit Herstellern mit ihrer internationalen Präsenz. In Russland habe Daimler gerade eine Garantieversicherung abgeschlossen, mit BMW liefen Gespräche. Der deutsche BMW-Partner Ergo ist in Russland nicht vertreten.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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