Dresdner Bank verdirbt der Allianz das Konzernergebnis

Institut leidet unter neuen Belastungen und fährt dritten Quartalsverlust inFolge ein · Gewinn des Versicherers geht zurück · Auswirkung auf Pläne zumVerkauf der Bank

Von Christine Mai, Frankfurt,

und Anja Krüger, Köln

Die Dresdner Bank belastet den Allianz-Konzern immer stärker. Es waren vor allem ein Verlust und neuerliche Belastungen im Zuge der Finanzkrise bei der Banktochter sowie ferner Rückgänge im Lebensversicherungsgeschäft, die den Überschuss der Allianz im zweiten Quartal auf 1,5 Mrd. Euro drückten. Das entspricht einem Rückgang von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Der Versicherungskonzern kassierte daraufhin seine mittelfristigen Ergebnisziele und gab einen düsteren Ausblick: „Wir erwarten auch für 2009 ein Anhalten dieser schwierigen Marktbedingungen, deshalb können wir das 2006 gesetzte Ziel einer durchschnittlichen operativen Ergebnissteigerung von zehn Prozent bis 2009 nicht aufrechterhalten“, teilte die Allianz mit. Die Aktie des Konzerns verlor 0,84 Prozent und schloss bei 112,03 Euro.

Die erneut schwachen Ergebnisse der Dresdner Bank erhöhen einerseits den Handlungsdruck auf die Muttergesellschaft, schmälern andererseits aber ihren Spielraum. Die Allianz führt seit Monaten Gespräche über einen möglichen Teil- oder Komplettverkauf des Instituts. Zu den Interessenten gehören die Commerzbank und die spanische Großbank Santander. Die Verluste sowie die Risiken der Bank könnten diese potenziellen Käufer allerdings abschrecken. Mit Blick auf die Verkaufspläne senkte die Ratingagentur Moody’s den Ausblick für mehrere Bonitätsnoten des Instituts von „stabil“ auf „negativ“.

Im zweiten Quartal litt die Dresdner Bank unter neuen Belastungen von mehr als 700 Mio. Euro. Seit Beginn der Finanzkrise vor rund einem Jahr sind damit Belastungen von knapp 3 Mrd. Euro angefallen. Das ist weniger als bei der Deutschen Bank, aber deutlich mehr als bei Commerzbank und Postbank. Die Probleme der Investmentbank Dresdner Kleinwort waren Hauptgrund für einen operativen Fehlbetrag der Gesamtbank von 566 Mio. Euro. Es ist der dritte Quartalsverlust in Folge.

Risikochef Helmut Perlet verwies darauf, dass der Bestand an „kritischen“ forderungsbesicherten Wertpapieren weiter reduziert worden sei. Weitere Belastungen seien aber möglich. Bei zusätzlichen Verschlechterungen an den Kapitalmärkten drohten im dritten Quartal Abschreibungen von 800 Mio Euro.

Das Geschäft mit privaten und Firmenkunden hielt sich relativ gut. Es trug dazu bei, den Zinsüberschuss stabil zu halten. Dieser Bereich soll bis Ende August von der Bank abgespalten sein. Laut Allianz-Chef Michael Diekmann liegen die Vorbereitungen dafür im Plan.

Längst hat die Krise allerdings auch das Versicherungsgeschäft erreicht. In den Bereichen außerhalb der Bank werde das operative Ergebnis 2008 und 2009 bei mindestens 9 Mrd. Euro liegen, sagte Diekmann zwar. Die Lebens- und Krankenversicherung leidet aber erheblich unter den Einbrüchen an den Finanzmärkten; die Kapitalerträge schrumpfen. Das operative Ergebnis sank hier deshalb um 7,3 Prozent auf 703 Mio.Euro. Kunden scheuen zudem Verträge mit direkter Kapitalmarktanbindung. Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen ging der Umsatz um 19 Prozent zurück. Der Absatz konventioneller Lebensversicherungen hingegen, bei denen es Garantien für eine Mindestverzinsung gibt und vor allem in sichere Anlagen investiert wird, zog um acht Prozent an. Die Prämieneinnahmen in diesem Segment sanken um 10,9 Prozent auf 10,7 Mrd. Euro.

Die Schaden-/Unfall-Versicherung – wichtigster Gewinnbringer – ist laut Diekmann bislang kaum von der Krise betroffen. Hier gehen aber weltweit die Preise zurück. Auf dem deutschen Markt hat die Allianz selbst einen Preiskrieg angezettelt, dessen Ende nicht absehbar ist. Das operative Ergebnis in der Sparte betrug 1,7 Mrd. Euro, nach 1,9 Mrd. Euro im Vorjahresquartal.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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