Ernüchterung am Zweitmarkt

Die Kurse für Schiffsbeteiligungen sinken, Anleger geben sich zurückhaltend

Von Friederike Krieger

Die Goldgräberstimmung auf dem Zweitmarkt für Schiffsbeteiligungen ist verflogen. Steigende Betriebskosten und der schwache Dollar drücken auf die Preise, die Verkäufer geben sich zurückhaltend.

Seit rund fünf Jahren können Anleger, die sich vor Ende der Laufzeit von ihren Anteilen trennen wollen, die verschiedenen Plattformen nutzen. Etliche Emissionshäuser schufen eigene Angebote für ihre Kunden, auf denen die Initiatoren Fondsanteile an kaufwillige Interessenten vermitteln. Daneben gibt es noch initiatorenübergreifende Handelsplätze wie die Fondsbörse Deutschland oder die Deutsche Zweitmarkt AG.

Vor allem im vergangenen Jahr gewann der Zweitmarkt auf vielen Plattformen an Fahrt. „Die Preise für die Beteiligungen stiegen von Monat zu Monat immer weiter an“, sagt Björn Meschkat, Vorstand der Deutschen Zweitmarkt AG. Der zur Unternehmensgruppe Salomon Invest gehörende Makler analysiert monatlich die Lage im Segment.

Die Anleger erhielten im vergangenen Jahr durchschnittlich 115 Prozent des Nominalkapitals für ihre Second-Hand-Beteiligungen. Das Handelsvolumen betrug rund 330 Mio. Euro, was einem Zuwachs von 25 Prozent gegenüber 2006 entspricht.

Doch in diesem Jahr drehte der Aufwärtstrend. „Die Kurse sind leicht rückläufig“, sagt Meschkat. Das hat auch Matthias Brinckman, Geschäftsführer von Maritim Invest, beobachtet. Das ebenfalls zu Salomon Invest gehörige Fondshaus kauft gebrauchte Schiffsbeteiligungen und fasst sie in Zweitmarktfonds zusammen. „Die Preise haben gegenüber dem vierten Quartal 2007 um rund 20 Prozent nachgegeben“, sagt Brinckman.

Ursache seien die stetig steigenden Betriebskosten der Schiffe sowie der schwache Dollar. Da die meisten Schiffsfonds ihre Einnahmen in Dollar erwirtschaften, ihre Ausschüttungen aber in Euro tätigen, müssen sie wesentlich mehr verdienen, um die Auszahlungen stabil zu halten. „Das werden viele nicht schaffen“, sagt Meschkat.

Er rechnet damit, dass etliche Emissionshäuser ihre Ausschüttungen in diesem Jahr verringern müssen. Das mindert auch den Wert der Beteiligungen am Zweitmarkt. Die Anleger reagieren entsprechend zurückhaltend.

Die Nutzer der Fondsbörse Deutschland verhalten sich ebenfalls eher abwartend. Wechselten in den ersten sieben Monaten des vergangenen Jahrs noch Schiffsbeteiligungen im Wert von 12,4 Mio. Euro auf der Plattform des Maklers den Besitzer, waren es in diesem Jahr bisher nur 10,5 Mio. Euro. Zum Trübsal blasen sei es aber noch zu früh. „Ein überdurchschnittliches Jahresendgeschäft kann die Einbußen noch ausgleichen“, erklärt Sebastian Scherkl, Leiter Analyse der Fondsbörse.

Auch wenn er nicht damit rechnet, dass die Preise in den nächsten Monaten weiter steigen, empfindet Scherkl die Durchschnittskurse bei der Fondsbörse noch als vergleichsweise hoch. „Sie sind niedriger als 2006, aber höher als im vergangenen Jahr“, sagt er.

In den ersten sieben Monaten des Jahrs lagen die Durchschnittskurse bei 100 Prozent, im Vorjahreszeitraum dagegen nur bei 82 Prozent. „Die Charterraten der Schiffe sind durch die Bank weg stark gestiegen“, sagt Scherkl. Das habe einen Teil der Kostenexplosion und der Wechselkursverluste aufgefangen.

Vor allem für Massengutfrachter zahlen Charterer hohe Preise, was sich in den Zweitmarktkursen widerspiegelt. So wechselte im Juni ein Anteil am Bulker MS Yangtze River zu dem Rekordpreis von 257 Prozent des Nominalkapitals den Besitzer.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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