Krankenversicherte lehnen Übertritt zur Konkurrenz ab

Private lassen Kunden befragen · Aktiver Vertrieb nötig

Von Ilse Schlingensiepen, Köln

D ie Wechselbereitschaft von privat Krankenversicherten ist weitaus geringer als von der Politik und der Branche angenommen. Nach einer aktuellen Umfrage planen lediglich vier Prozent der Versicherten im ersten Halbjahr 2009 einen Wechsel zu einem anderen Anbieter oder in den künftigen Basistarif.

Die Gesundheitsreform gibt Kunden privater Krankenversicherer (PKV) vom nächsten Jahr an mehr Flexibilität. Wer neu in die PKV kommt, kann künftig einen Teil der angesparten Alterungsrückstellungen mitnehmen, wenn er zu einem anderen Unternehmen geht. Für die bereits privat Versicherten gilt diese Regelung nur im ersten Halbjahr 2009. Die PKV-Unternehmen sehen – bei aller Kritik an der Gesundheitsreform – darin auch Chancen für ihre Vertriebe.

Das Interesse der Versicherten am Wechsel ist offenbar begrenzt. In einer Umfrage, die TNS Infratest im Auftrag mehrerer PKV-Unternehmen wie der Ergo-Gesellschaften DKV und Victoria erstellt hat, gaben 83,4 Prozent an, dass sie nicht in den Basistarif eines anderen Versicherers wechseln wollen. Auch ein anderer Tarif der Konkurrenz ist für 82,5 Prozent der Befragten kein Thema.

„Die Zahlen zeigen, dass die Wechselbereitschaft sehr gering ist“, sagte Jochen Messemer, Vorstand der Ergo-Krankenversicherer, der FTD. „Ich bin erstaunt, dass so viele keinen Grund sehen, über das Thema auch nur nachzudenken.“ Positiv sei, dass die Kunden offenbar nicht so unzufrieden mit der PKV sind, wie es oft dargestellt werde.

Die Vermittler müssten jetzt gute Argumente finden, um Versicherte von der Konkurrenz abzuwerben. „Einem guten Vertrieb wird es gelingen, die Wechselbereitschaft zu erhöhen“, sagte Messemer. Das gelte gerade mit Blick auf die Kunden, die von 2009 an neu in die PKV kommen.

„Vielen Kunden ist nicht bewusst, dass es Unterschiede zwischen den Unternehmen gibt“, sagte Messemer. Die künftige Herausforderung liege darin, in der Tarifpolitik Akzente zu setzen und sich mit den Angeboten stärker zu differenzieren. „Wir dürfen uns als Unternehmen nicht ausruhen.“ Für die PKV entstehe ein neuer Markt, sagte Messemer. „Mit Schätzungen, wie groß er ist, bin ich nach den Zahlen der Umfrage aber vorsichtig.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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