Probleme ängstigen Schiffsinvestoren kaum

Privatanleger stecken unverdrossen Geld in geschlossene Fonds ·Spezialfinanzierer leiden aber unter den Folgen der Kreditkrise

Von Katrin Berkenkopf

Stell dir vor, in der Schifffahrt beginnt eine Krise – aber die Anleger interessiert das nicht. So ähnlich ist das Verhältnis zwischen den besorgten Äußerungen vieler Reedereichefs und dem Verhalten deutscher Anleger. Wolfgang Kubatzki von Feri Rating & Research erstellt seit Jahren die größte Marktstudie zu geschlossenen Fonds. Nach seinen Daten haben Investoren im ersten Halbjahr 2008 1,66 Mrd. Euro in Schiffsbeteiligungen gesteckt. „Damit lag das Platzierungsergebnis nur um 4 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum“, stellt Kubatzki fest.

Deutsche Anleger finanzieren steuergünstig über Fonds Seeschiffe, die dann an Linienreedereien verchartert – also vermietet – werden. Die Finanzierung hat zwei Elemente: Mit dem Fonds bringen die Anleger Eigenkapital auf, das in der Regel 35 Prozent bis 45 Prozent der Investitionssumme ausmacht. Den Rest geben Banken als Kredite, die durch Schiffshypotheken besichert sind. Allerdings dürften die optimistischen Anleger in Schiffsfonds den Konsequenzen der negativen Entwicklung kaum entgehen. „Wir sehen seit einiger Zeit einen Trend zu geringeren Renditen“, sagt Feri-Experte Kubatzki. Gründe dafür seien die hohen Betriebskosten und der schwache Dollar. Da die Schiffe Einnahmen fast immer in Dollar erwirtschaften, die Ausschüttungen aber meist in Euro erfolgen, bleibt für die Investoren weniger übrig.

Shaun Harbinson ist Geschäftsführer der Conti-Holding in Putzbrunn bei München, zu dem das Emissionshaus Conti gehört. Er schlägt wegen des Dollarkurses Anlegern vor, das Geld für außerordentliche Tilgungen der Bankkredite zu nutzen, mit denen das Schiff hauptsächlich finanziert ist. So müssten die Anleger zwar auf Ausschüttungen verzichten, hätten aber schneller ein schuldenfreies Schiff – und profitieren davon später, wenn der Dollar wieder höher steht.

Die vergleichsweise stabile Entwicklung sorgt dafür, dass die von einigen Experten seit Jahren erwartete Marktbereinigung erneut ausfällt. Die Übernahme eines großen Aktienpakets an HCI Capital durch den Konkurrenten MPC Capital Anfang 2008 blieb eine Ausnahme. Conti-Chef Harbinson sieht aber einen verschärften Wettbewerb, weil Investoren wählerischer sind. „Die Anleger schauen heute genauer hin, das merkt man an den Fragen zu Kalkulation und Rahmenbedingungen.“

Die weltweit führende Rolle unter den Schiffshypothekengebern spielen staatliche und öffentliche deutsche Banken, allen voran die HSH Nordbank. Die Vormachtstellung der Landesbanken stammt noch aus der Zeit der inzwischen abgeschafften staatlichen Haftungsgarantien, dadurch konnten sie sich günstiger refinanzieren. Jetzt wird es angesichts der Kreditkrise, die mit der Schifffahrt gar nichts zu tun hat, bei den Landesbanken enger. Die WestLB, allerdings ein kleiner Mitspieler, hat das Geschäft schon aufgegeben.

Die sogenannten Syndizierungsmärkte, auf denen eine kreditgebende Bank Risiken an andere Banken weitergeben kann, sind ausgetrocknet. So bleiben die Institute ungeplant auf großen Volumen sitzen. Bei der HSH Nordbank führte das dazu, dass sie im Herbst 2007 vorzeitig die Bücher schließen musste und für das Jahr keine neuen Schiffshypotheken gewährte.

Über das Kreditvolumen allein aber wollen sich die Banken nicht mehr identifizieren. Vielmehr suchen sie die Reeder als Kunden auch für weitere Geschäfte, etwa die Absicherung von Währungsrisiken oder die Begleitung von Börsengängen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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