Banken drängen in Verbriefung von Deckungen

Markt trotz Kapitalmarktkrise nicht ausgetrocknet

Von Herbert Fromme, Monte Carlo

B anken suchen vermehrt Zugang zu Versicherungsverbriefungen, weil infolge der Kapitalmarktkrise das Geschäft mit anderen Produkten eingebrochen ist. Das sagte Paul Schultz, Chef der Kapitalmarktabteilung beim Großmakler Aon Re, der selbst einer der weltgrößten Arrangeure für Versicherungsverbriefungen ist.

Schultz erwartet, dass Versicherer und Rückversicherer im Jahr 2008 rund 5 bis 6 Mrd. $ in Form von Versicherungsverbriefungen im Kapitalmarkt platzieren. „Bisher hatten wir im laufenden Jahr rund 3 Mrd. $“, sagte Schultz beim Welt-Rückversicherungstreffen in Monte Carlo. Im Gesamtjahr 2007 waren es 7 Mrd. $. Das zeigt, dass die Kapitalmarktkrise diesen Markt nicht ausgetrocknet hat. „Der Markt hat sich etabliert und ist kein kurzfristiges Phänomen“, sagte Schultz. Allerdings sind die Verbriefungen deutlich kleiner als das Rückversicherungsvolumen, das sich weltweit im Jahr 2008 auf rund 150 Mrd. $ Prämie belaufen dürfte.

Mit Versicherungsverbriefungen sicherten sich Gesellschaften früher vor allem gegen Katastrophen ab, daher lautete der Name Katastrophenanleihen (Cat Bonds) für viele frühe Angebote. Heute werden sehr viele Versicherungsrisiken im Kapitalmarkt platziert, auch Langlebigkeitsrisiken oder Autoschäden.

Investoren erhalten für die Anleihen, die sie zeichnen, eine deutlich über dem Marktsatz liegende Verzinsung. Wenn es zu einem vorher definierten Schaden während der Laufzeit kommt, verlieren sie das gesamte Geld oder einen Teil davon. Erstversicherer wie Allianz oder Zurich nutzen das Instrument zur Rückdeckung hoher Risiken, Rückversicherer sichern sich ebenfalls für Spitzenexponierungen ab.

Weltmarktführer sind Swiss Re, Goldman Sachs und Aon Re. David Priebe, Chef der Abteilung Globale Kunden beim Rückversicherungsmakler Guy Carpenter, sieht einen ähnlichen Trend wie Aon-Mann Schultz. „Wir hatten bisher 13 neue Transaktionen mit rund 2,5 Mrd. $ im laufenden Jahr“, sagte Priebe. Guy Carpenter gehört zum US-Großmakler Marsh. „Der alternative Kapitalmarkt für Versicherer und Rückversicherer ist nicht verschwunden, sondern er wird erwachsen“, sagte Priebe.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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