Déjà-vu in der Allianz-Bilanz

kolumne

Herbert Fromme

Im Jahr 2000 hatte die Allianz ein Problem: Sie hielt rund 20 Prozent an der Dresdner Bank, teilte also mit diesem hohen Prozentsatz die bedeutenden Risiken des Geldhauses, hatte aber keinen direkten Einfluss und Durchgriff. Nach fehlgeschlagenen Versuchen, die Dresdner an eine andere Bank wegzufusionieren, übernahm Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle 2001 das Institut ganz.

Sieben Jahre und viele abgeschriebene Milliarden später verkauft der Münchner Konzern die ungeliebte Tochter an die Commerzbank, zum großen Teil gegen Aktien. Auch wenn die Transaktion gelingt, was keineswegs sicher ist – ab 2009 wird die Allianz ein bekanntes Problem haben. Sie hält dann 30 Prozent an der Commerzbank, hat damit gigantische Risiken in der Bilanz, kann aber nicht direkt durchgreifen.

Nach einem so massiven Fehlgriff würde sich in manchen Unternehmen die Frage nach Ursachen und Verantwortlichen stellen. Nicht so bei der Allianz. „Unsere Aufgabe ist es, den Wert unseres Unternehmens zu steigern“, sagte Schulte-Noelle am 2. April 2001, als er die Übernahme begründete. Das ist gründlich schiefgegangen. Jetzt darf Schulte-Noelle als Aufsichtsratschef über den Verkauf präsidieren. Von dem heutigen Vorstandschef Michael Diekmann heißt es plötzlich, er sei nie ein Freund des Kaufs gewesen. Bislang hatte er solche Zweifel an dem Modell stets dementiert.

Die Allianz hat bisher nicht erklärt, warum die Übernahme der Bank 2001 und ihr Verkauf 2008 richtig waren. Wer einen strategischen Schwenk so unzureichend begründet, muss sich nicht wundern, dass Anleger wenig begeistert sind und die Aktie weiter dümpelt. Die Allianz-Führung hat noch eine Bringschuld offen.

Herbert Fromme ist Versicherungskorrespondent der FTD.

E-Mail fromme.herbert@ftd.de

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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