Policen meistbietend abzugeben

Börse Hamburg-Hannover startet Internet-Plattform für Lebensversicherungen -trotz Krise am Zweitmarkt

Von Katrin Berkenkopf

und Patrick Hagen

Die Börse Hamburg-Hannover will ein neues Geschäftsfeld erschließen. Sie schaltet heute eine Handelsplattform im Internet frei, auf der Besitzer von Lebensversicherungen ihre Policen verkaufen können. „Die Idee ist entlehnt aus den Märkten, die wir im Wertpapierbereich und im Handel mit geschlossenen Fonds betreiben“, sagt Börsenvorstand Thomas Ledermann.

Versicherungskunden können auf der Plattform ihre Police online zum Verkauf anbieten. In einer fünftägigen Auktion wird der meistbietende Interessent ermittelt. Ist der Kunde mit dem möglichen Preis nicht zufrieden, muss er nicht verkaufen. Das Verfahren bleibt für ihn in jedem Fall kostenlos. Der Käufer zahlt 0,8 Prozent des Kaufpreises an die Börse.

Verkauft werden können Kapitallebensversicherungen und Rentenversicherungen ab 10 000 Euro Rückkaufswert und Fondspolicen ab 25 000 Euro, unabhängig von der verbleibenden Laufzeit des Vertrags.

Bisher kauften Zweitverwerter wie Cash Life, CFI Fairpay oder Policen Direkt Lebensversicherungsverträge direkt beim Policeninhaber oder über Makler und zahlten dafür etwas mehr als den Rückkaufswert, den ein Versicherer seinem Kunden bezahlt hätte. Die Betreiber der Policenbörse hoffen, dass Kunden über die Auktionsplattform bessere Preise erzielen können.

Der Start für die Policenbörse kommt allerdings zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der Markt für gebrauchte Lebenspolicen ist unter Druck geraten. Cash Life, der Marktführer unter den Policen-Aufkäufern, ist in Schieflage geraten und wird gerade durch den Investor Augur übernommen. Zurzeit ist die Nachfrage nach gebrauchten Lebensversicherungen auf einem Tiefpunkt. Die Absatzwege für die Aufkäufer sind verstopft. Bisher reichten sie einen Großteil der Policen an Fondshäuser wie MPC und HCI weiter, die für die Finanzierung des Aufkaufs geschlossene Fonds auflegten. Die Zukunft des Geschäftsmodells sieht düster aus, seit zwei dieser Fonds abgewickelt werden mussten. Keiner der großen Anbieter hat derzeit Pläne, neue Beteiligungsmodelle aufzulegen.

Dazu kommt: Von 2009 an wird beim Verkauf einer Police Abgeltungsteuer fällig. Die Frage, auf welche Summe die Steuer fällig ist, sei aber noch nicht endgültig geklärt worden, sagt Michael Jansen vom Dienstleister Deutscher Policenmakler. Die Börse Hamburg-Hannover hat sich deshalb auf eine Durststrecke eingerichtet. „Wir haben einen langen Atem“, sagt Ledermann. Zahlen zum Umsatzziel beim Handel mit Lebensversicherungen will er nicht nennen. „Wir glauben, dass der Markt zurückkommt, und dann wollen wir dabei sein“, so der Börsenvorstand.

Abgewickelt wird der Verkauf über das Unternehmen Deutscher Policenmakler. Es ist zunächst der einzige Dienstleister auf der Internetplattform und lässt sich die Kundendaten des Verkäufers vom Versicherer bestätigen, überprüft aber auch die Käufer. Der Deutsche Policenmakler wurde 2008 von Volker Bremkamp gegründet, der viele Jahre lang Vorstand der Versicherer Albingia und Axa war. Die Policenbörse sei für weitere Anbieter offen, sagt Ledermann.

Auf der Seite der Policeninhaber gibt es Bedarf für einen funktionierenden Zweitmarkt. Viele Kunden wollen ihre Lebensversicherungspolice vor Ablauf der Vertragslaufzeit wieder loswerden. Im Schnitt wird jede zweite Lebenspolice vorzeitig beendet. Bei Verträgen mit besonders langer Laufzeit sieht es noch schlechter aus: Weniger als ein Viertel der Versicherten halten Policen mit 30-jähriger Laufzeit bis zum Ende durch. Im vergangenen Jahr wurden Verträge mit einer Versicherungssumme von 12,1 Mrd. Euro storniert. Vom Anbieter erhalten die Versicherungsnehmer dabei nur den offiziellen Rückkaufswert. Mittlerweile hat sich der Zweitmarkt etabliert, auf dem sie einen höheren Erlös erzielen können.

Die Idee einer Auktionsplattform, auf der Kunden ihre Lebenspolicen versteigern können, ist nicht neu. Das Unternehmen Lifejack bietet seit 2007 diese Möglichkeit, hat damit bislang aber keinen durchschlagenden Erfolg erzielt. Als neutral und transparent bezeichnen sich beide Plattformen. Die Gebühren des neuen Börsenangebots sind allerdings etwas niedriger.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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