US-Krise lässt Europäer kalt

Allianz, Münchener Rück und Axa beziffern ihre Engagements bei LehmanBrothers und AIG

Von Patrick Hagen, Bratislava,

und Herbert Fromme, Köln

Die deutschen Versicherungsschwergewichte Allianz und Münchener Rück erwarten keine kritischen Belastungen durch die Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers und die Probleme bei der American International Group (AIG). Gelassen reagierten beide gestern auf die deutliche Belastung ihrer Aktienkurse durch die Krise. Allianz-Aktien fielen um 5,61 Prozent auf 98,06 Euro, die der Münchener Rück um 3,65 Prozent auf 95,77 Euro.

Damit ging es ihnen aber sehr viel besser als dem Konkurrenten Swiss Re. Dessen Aktie verlor im Tagesverlauf bis zu 19 Prozent und ging mit 54,05 Franken aus dem Handel, einem Minus von 13 Prozent.

Die Münchener Rück teilte mit, ihr gesamtes Engagement bei Lehman betrage rund 350 Mio. Euro. Das Kapitalanlagen-Engagement gegenüber AIG sei unwesentlich. Der französische Versicherer Axa ist nach eigenen Angaben mit 300 Mio. Euro bei Lehman engagiert und mit 150 Mio. Euro bei AIG. Allianz-Chef Michael Diekmann bezifferte in Bratislava die denkbaren Belastungen aus der Lehman-Pleite mit maximal 400 Mio. Euro. Davon entfielen bis zu 100 Mio. Euro auf die US-Tochter Fireman’s Fund. Diekmann sagte, bisher sei nicht klar, wie viel Einlagensicherungsfonds und andere Sicherheiten abdeckten. Die Auswirkungen der Pleite für die Allianz nannte Diekmann „subkritisch“.

Den Verkauf der Dresdner an die Commerzbank sieht er durch die Marktturbulenzen nicht gefährdet. Allerdings sei für die Transaktion ein bestimmter Kurs zugrunde gelegt worden. Jetzt werde die Commerzbank-Aktie aber viel niedriger gehandelt. „Der Gesamtwert der Transaktion stellt sich neu dar“, sagte Diekmann. Er schloss aus, dass die Allianz-Beteiligung sich auf mehr als 30 Prozent erhöht. „Wir werden Vorkehrungen treffen, dass das nicht eintrifft“, sagte er. Bei einer Beteiligung über 30 Prozent müsste die Allianz allen Aktionären ein Pflichtübernahmeangebot machen.

Die Schieflage des US-Versicherers AIG sieht Diekmann nicht als direktes Problem für die Allianz. Beide unterhalten vor allem Geschäftsbeziehungen in der Rückversicherung, aber in geringem Umfang. Außerdem seien diese Geschäfte abgesichert. „Da sehe ich keine Auswirkungen.“

Die Allianz ist nicht an den Geschäftsfeldern Rückversicherung, Leasing und Financial Services interessiert, die AIG zur Disposition gestellt hat. „Was sonst auf den Markt kommt, weiß ich nicht“, sagte Diekmann. „Wenn etwas Interessantes kommt, werden wir uns das angucken.“ Insgesamt sieht er Akquisitionen aber eher kritisch. „Wir haben eine solche Position in den einzelnen Ländern, dass wir nicht unbedingt akquirieren müssen.“ Zukäufe müssten in den strategischen und finanziellen Rahmen passen und in zwei Jahren wertschöpfend sein.

Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard sagte dem „Handelsblatt“, das Unternehmen sei an der Übernahme von Teilen der AIG-Gruppe interessiert. „Grundsätzlich sind viele Bereiche für uns interessant. Entscheidend ist, ob es in unsere Strategie passt und ob der Preis stimmt.“ Es gebe interessante Schnittmengen mit den drei Geschäftsfeldern der Münchener Rück, also der Erst- und der Rückversicherung sowie im Gesundheitsbereich. Es gebe aber bisher keine Gespräche.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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