AIG-Chefs geben Regeln und Vorgängern die Schuld

Kongress hört Manager zur Krise des Versicherers an

Von Francesco Guerrera, New York,

und Herbert Fromme, Köln

Frühere Topmanager des angeschlagenen US-Versicherers American International Group (AIG) haben gestern vor dem US-Kongress US-Bilanzregeln und Fehler ihrer jeweiligen Vorgänger für die Krise des Unternehmens verantwortlich gemacht.

Die Bilanzregel FAS 157, die von Unternehmen die Bilanzierung von Wertpapieren zu ihrem jeweiligen Marktwert verlangt, habe unbeabsichtigt zu unrealisierten Verlusten in Milliardenhöhe geführt, obwohl „kein einziger Dollar an tatsächlichen Verlusten“ angefallen war, sagte Martin Sullivan vor einem Ausschuss. „In Folge wurde das AIG-Rating gesenkt, und das wiederum löste Ansprüche auf Sicherheiten in Milliardenhöhe aus.“

Sullivan war von 2005 bis Mitte 2008 AIG-Chef. Der Ausschuss beschäftigte sich auch mit Sullivans Einkommen und Bonus sowie die die Millionen-Bonuszahlungen an Vorstände und Chefs der AIG-Tochter AIG Financial Products (AIGFP) in London. Dort fielen die Milliardenverluste durch die Absicherung von Kreditderivaten an, die zur Krise führten.

Der langjährige Konzernchef Maurice Greenberg blieb der Anhörung aus Gesundheitsgründen fern. In seiner schriftlichen Stellungnahme kritisierte Greenberg seine Nachfolger scharf. Sie hätten das enge Risikomonitoring abgeschafft und in den zehn Monaten nach seinem Weggang das Kreditderivategeschäft stark ausgebaut – und sich dabei auf Papiere mit Subprime-Bezug konzentriert. Sullivan gab auf Nachfrage an, das Geschäft sei Ende 2005 eingestellt worden.

Greenberg erklärte, für die Aktionäre wäre ein Konkurs der AIG-Obergesellschaft besser gewesen als die Übernahme durch die Regierung. Die Notenbank Federal Reserve hält 79,9 Prozent an AIG, im Gegenzug für eine Kreditlinie von 85 Mrd. $ durch die Regierung, von der AIG bisher 61 Mrd. $ zog.

Im Vorfeld erklärten Manager, AIGFP sei „sehr wenig reguliert“ gewesen. Weil das Unternehmen in London arbeitete, fühlten sich US-Aufseher kaum verantwortlich. Die britische Aufsicht verließ sich auf die französischen Kollegen, weil AIGFP dort eine Bank besaß.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit