LVM bietet Autokredite an

Versicherer will Kfz-Geschäft absichern · Gegenentwurf zum Allianz-Umbau

Von Ilse Schlingensiepen

und Herbert Fromme, Münster

D ie Versicherungsgruppe LVM in Münster steigt in das Geschäft mit Krediten für den Autokauf ein. Sie werden von der Tochter Augsburger Aktienbank vergeben. „Das dient der strategischen Absicherung des Kfz-Geschäfts, das macht die Autoversicherung attraktiver“, sagte LVM-Konzernchef Robert Baresel der Financial Times Deutschland.

In der Autoversicherung ist LVM der fünftgrößte Anbieter mit 2,6 Millionen Fahrzeugen Ende 2007. Nach fünf Jahren Marktanteilsverlusten – „Wir haben uns auf andere Sparten konzentriert“ – konnte der Versicherer im vergangenen Jahr wieder saldiert um 30 000 Verträge zulegen. „Auch 2008 gewinnen wir mehr Kunden, als wir verlieren“, sagte Baresel. Eine Wende im Preiskrieg sieht er nicht. „Wir spüren nicht, dass sich der Markt dreht.“

Vor sechs Jahren übernahm die Gruppe die Augsburger Aktienbank von der Allianz. Seither baut sie systematisch den Verkauf von Bankprodukten über LVM-Vertreter aus, ähnlich wie der große Konkurrent aus München. Innerhalb von fünf Jahren habe die Augsburger Aktienbank 218 000 Konten aufgebaut, 34 000 davon vom LVM.

Die Gruppe – mit 2,3 Mrd. Euro Prämie ein mittelgroßer Anbieter – hat bislang bei den Versicherungstöchtern und der Aktienbank keine gravierenden Belastungen durch die Finanzkrise erlebt. Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers könne sich mit einem kleinen Betrag auswirken, sagte Baresel. LVM habe die Kapitalanlagen von 12 Mrd. Euro breit gestreut. „Wir haben nur vier Prozent in Aktien.“

Allerdings könne es zum Jahresende Abschreibungsbedarf bei Rentenpapieren geben. „Es handelt sich in erster Linie um eine Bankenkrise. Aber klar ist auch, dass die Versicherer eng mit den Banken verflochten sind“, sagte Baresel. Für die Banktochter fürchtet er keine Rückschläge, weil sie wesentlich als Wertpapierabwicklungsbank fungiert.

In der Zusammenarbeit von Außendienst und Verwaltung lebt LVM das Gegenmodell zur Allianz und anderen Versicherern, die diese Bereiche immer mehr separieren. „Wir arbeiten seit 1896 mit der Ausschließlichkeitsorganisation im Vertrieb“, sagte Baresel. Neben den 2100 Vertretern und ihren 3900 Mitarbeitern wird kein anderer Vertriebskanal genutzt, auch Makler nicht.

Erfolgsrezept sei die engste Zusammenarbeit zwischen Innen- und Außendienst. „Es gibt in der Branche eine Tendenz, unter dem Stichwort Industrialisierung zwischen Verarbeitung und Vertrieb zu trennen. Wir machen genau das Gegenteil, wir haben einen Serviceverbund“, sagte er. Alle Mitarbeiter nutzten dieselbe Technik, es gebe zwischen Innen- und Außendienst keine Brüche in der Kommunikation. „Bei einem Dienstleistungsunternehmen macht die Trennung keinen Sinn.“

Positiv bewertet Baresel die gerade beendete Zusammenarbeit des konzerneigenen privaten Krankenversicherers mit der gesetzlichen Krankenkasse KKH, die 2004 begann. Die KKH hat zum Jahresende gekündigt, weil sie mit der Betriebskrankenkasse der Allianz fusioniert und künftig die Allianz Private Krankenversicherung als Partner hat. Es gebe nun Gespräche mit anderen Kassen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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