US-Versicherer Hartford findet Retter in München

Allianz stützt angeschlagenen Rivalen mit 2,5 Mrd. Dollar

Von Herbert Fromme, Köln

Der Allianz-Konzern ist mit 2,5 Mrd. $ dem US-Versicherungskonzern Hartford Financial Services zur Hilfe gekommen. Die Kapitalspritze führte zu einer Stabilisierung des Hartford-Kurses, der gestern in der Spitze um 20 Prozent auf 32,86 $ zulegte. Die Nachricht konnte den Rückgang des Allianz-Kurses aber nicht aufhalten, das Papier verlor gestern 9,7 Prozent auf 89,48 Euro.

Kräftige Einschläge aus der Kreditkrise hatten in der vergangenen Woche den Hartford-Kurs fast halbiert. Seit Jahresanfang hat das Unternehmen zwei Drittel seines Börsenwerts eingebüßt. Im Januar war es 26,6 Mrd. $ wert, gestern noch 8,25 Mrd. $. Konzernchef Ramani Ayer musste für das dritte Quartal Verluste von mehr als 2,1 Mrd. $ aus Investitionen im Finanzbereich in Aussicht stellen – unter anderem war Hartford an Lehman Brothers, Fannie Mae und Freddie Mac beteiligt.

Deshalb wird es einen deutlichen Nachsteuerverlust geben, die Quartalsdividende soll von 53 Cent auf 32 Cent reduziert werden. Durch den Allianz-Einstieg kann der US-Konzern aber das Rating von „AA“ für seine operativen Versicherer halten. Ratingagenturen hatten nach den schlechten Nachrichten mit einer Herabstufung gedroht – die gerade im US-Markt für einen Versicherer tödlich ist.

Für die Allianz lohnt sich der Einstieg. Für 750 Mio. $ kauft der Münchner Konzern Vorzugsaktien mit Umwandlungsrecht, die ihm einen Anteil von rund sieben Prozent geben. Die restlichen 1,75 Mrd. $ fließen über die Ausgabe einer nachrangigen Unternehmensanleihe. Die Allianz kassiert zehn Prozent Zinsen und erhält die Option, für diesen Betrag innerhalb von sieben Jahren Aktien der Hartford zum festgesetzten Kurs von 25,32 $ zu kaufen. Übt sie die Optionen aus, hält sie insgesamt rund 24 Prozent an dem US-Versicherer.

Ein Allianz-Sprecher erklärte gestern, es handele sich um eine „reine Finanztransaktion“. Die Allianz, in den USA über die Tochter Fireman’s Fund aktiv, plane keine Übernahme. Citigroup-Analyst Joshua Shanker sieht Hartford dennoch als Übernahmeziel. „Diese Transaktion erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Allianz kaufen wird“, so Shanker.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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