Versicherer müssen für HRE bürgen

Assekuranz trotz neuem Bankenpaket in der Pflicht · Sechs Versichererangeschlagen

Von Herbert Fromme, Köln

Die Versicherungswirtschaft erwartet, dass die neuen Hilfsmaßnahmen für die Banken das Anfang Oktober vereinbarte Notpaket für die angeschlagene Hypo Real Estate (HRE) nicht ersetzen. Die Branche muss die von ihr zugesagten 1,4 Mrd. Euro darstellen, geht aus einem Schreiben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) an seine Mitglieder hervor.

Die HRE war in der Kreditkrise in schwere Liquiditätsprobleme geraten und musste vom Bund, anderen Banken und Versicherern mit 50 Mrd. Euro aufgefangen werden.

Es handelt sich bei den 1,4 Mrd. Euro um eine Rückbürgschaft im Rahmen der Bundesbürgschaft für die Bank. Sollte der Bund durch die HRE-Probleme zur Kasse gebeten werden, würde er auf die Versicherer zurückgreifen. Die Assekuranz schultert die HRE-Last in zwei Tranchen: 50 Prozent werden verteilt nach der Exponierung gegenüber der HRE, die übrigen 50 Prozent nach der Exponierung gegenüber dem Bankensektor überhaupt.

Besonders hoch engagiert bei der HRE waren nach Angaben aus Branchenkreisen Allianz, Münchener Rück und HUK-Coburg. Deshalb wurden die drei Gesellschaften auch am 2. Oktober 2008 von der Bundesregierung zum HRE-Krisentreffen eingeladen. Die Finanzaufsicht BaFin bat zu den Gesprächen dann noch weitere Gesellschaften, die niedriger engagiert waren, um das Hilfsprogramm auf eine breitere Basis zu stellen.

Verwunderung in der Branche hat das Finanzministerium damit ausgelöst, dass es die Versicherer in das gigantische Hilfsprogramm der Bundesregierung für Finanzinstitute einbezog. „Wir haben das nicht gewünscht“, sagte ein hochrangiger Versicherungsmanager. Der Bundestag hatte am Freitag im Finanzmarktstabilisierungsgesetz auch Versicherern und Pensionsfonds die Möglichkeit gegeben, auf den neuen Stabilisierungsfonds zurückzugreifen. In der Assekuranz wird nicht erwartet, dass eine Gesellschaft davon Gebrauch machen wird.

Das heißt aber nicht, dass die Assekuranz keine Schwierigkeiten wegen der Finanzkrise hat. Sie sind allerdings anders gelagert als bei den Banken. So hat kein deutscher Versicherer Probleme mit der Liquidität, weil durch Beitragszahlungen genügend frische Gelder hereinkommen.

Allerdings trifft vor allem der Rückgang der Aktienkurse die Unternehmen und ihre Ertragssituation hart. Zurzeit haben drei Lebensversicherer und drei private Krankenversicherer besonders große Probleme und werden von der BaFin sehr streng beaufsichtigt, hieß es in Branchenkreisen. Es handele sich um kleinere Gesellschaften, in Existenznot sei keine von ihnen. Namen wurden nicht genannt. Die Aufsicht nahm nicht Stellung.

Bei fast allen Gesellschaften wird sich die Krise negativ in den Zahlen, die zurzeit für das dritte Quartal erarbeitet werden, niederschlagen. Das dürfte auch für Marktführer Allianz gelten, dessen Situation durch den Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank – zum großen Teil gegen Aktien des Käufers – besonders kompliziert ist. Die bereits beschlossenen Änderungen in den Bilanzierungsmöglichkeiten lösen die Probleme nicht, hieß es.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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