Versicherungsmakler steht zu AIG

Marsh empfiehlt US-Konzern trotz Krise · Interview mit Chef Daniel Glaser

Von Herbert Fromme, Frankfurt

Die Probleme der American International Group (AIG) werden nach Ansicht des Versicherungsgroßmaklers Marsh den Niedrigpreis-Trend in der Industrieversicherung keineswegs brechen. „Der Markt wird so lange ,weich` bleiben, wie die Schäden niedriger sind als die Prämien“, sagte Daniel Glaser, Chef des Versicherungsmaklers Marsh, der FTD. Als „weich“ bezeichnet die Branche Perioden fallender Preise, steigende Preise nennt sie „hart“.

Damit widerspricht der mit 4,5 Mrd. $ Umsatz zweitgrößte Versicherungsmakler der Welt anderen Anbietern. Münchener-Rück-Vorstand Torsten Jeworrek etwa hatte erklärt, die AIG-Probleme hätten eine „Hartmarkt“-Phase eingeläutet. „Wir sind nicht einmal in der Nähe des Wendepunkts“, sagte dagegen Glaser. „Es gibt sehr viel Versicherungskapazität in der Welt, und die Reserven der Branche sind sehr hoch.“ Nur ein außergewöhnliches Schadenereignis könne den Trend umkehren. „In unserem Bestand sehen wir mehr Druck nach unten als nach oben bei den Preisen.“

Glaser ist seit Ende 2007 Marsh-Chef. Vorher war er acht Jahre im AIG-Management. Seither hat sich der durch Skandale und Behördenermittlungen gebeutelte Makler deutlich stabilisiert. „Wir haben im ersten Halbjahr so viel verdient wie im ganzen Jahr 2007“, sagte Glaser. Jetzt soll die Beschäftigtenzahl von 15 000 trotzdem um 900 reduziert werden. „Damit tragen wir dem weicheren Markt Rechnung.“

Über AIG sagte Glaser, die Versicherer des Konzerns hätten kein Problem mit ihrer Kapitalkraft, sondern eines mit ihrer Mutter. AIG musste von der US-Regierung durch eine Kreditlinie von 85 Mrd. $ vor dem Konkurs gerettet werden, weil sich das Unternehmen in der Absicherung von hypothekenbesicherten Krediten verzockt hatte. „Wir haben bei Marsh keinerlei Beschränkungen für Geschäft, das wir bei AIG platzieren.“ AIG stehe bei Produkten und Rating oft ganz oben.

„Jetzt versuchen natürlich andere Versicherer, AIG Geschäft abzujagen, und AIG will es behalten“, sagte Glaser. Das könne den Druck auf die Preise noch erhöhen. Die meisten Industriekunden wollten die Entwicklung beobachten. „Sie wollen von uns für 2009 ein Angebot, bei dem AIG eine Rolle spielt, und ein oder zwei Alternativen.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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