Allianz zieht Dresdner-Verkauf durch

Versicherer drohen keine Belastungen mehr durch Commerzbank-Aktie ·Banktochter schwächelt operativ

VON Christine Mai, Frankfurt,

und Herbert Fromme, Köln

Die Allianz zieht den Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank unverändert durch. Zwar hat die Transaktion der Allianz im dritten Quartal einen Sonderverlust in Milliardenhöhe beschert. Allianz-Vorstandsmitglied Helmut Perlet schloss Nachverhandlungen gestern aber aus: „Wir haben einen unterschriebenen Vertrag.“

Einen Teil der Übernahme zahlt die Commerzbank mit eigenen Aktien. Die Allianz erhält so eine Beteiligung von knapp 29 Prozent an der Bank. Dieser Anteil am Eigenkapital der Commerzbank beläuft sich heute auf 4,9 Mrd. Euro. Insgesamt ergibt sich für die Allianz ein Wert des Gesamtdeals von 7,8 Mrd. Euro.

Sie hatte die Dresdner Bank aber zuletzt mit 9,2 Mrd. Euro in den Büchern stehen. Die Differenz musste sie nun einmalig abschreiben. Die Abschreibung wäre höher ausgefallen, hätte die Allianz den aktuellen Wert der Commerzbank-Aktie von rund 8 Euro zu Grunde gelegt. Das tut sie aber nicht. Der Wert der Beteiligung werde sich nicht am Aktienkurs bemessen, sagte Perlet. Maßgeblich sei vielmehr, wie sich das Ergebnis und das Eigenkapital der Commerzbank entwickelten.

Die Allianz wendet das „Equity Accounting“ an: Demnach wird die Beteiligung mit dem anteiligen Eigenkapital der Commerzbank im Eigenkapital der Allianz ausgewiesen. Änderungen des Eigenkapitals der Commerzbank werden sich nur im Eigenkapital der Allianz zeigen; Gewinne oder Verluste der Commerzbank werden eins zu eins mit knapp 29 Prozent in das Allianz-Ergebnis eingehen.

Im Zuge der Verwerfungen an den Finanzmärkten war spekuliert worden, die Allianz könne eine Änderung der Konditionen anstreben. Von Ende August bis Ende September schrumpfte der Gesamtwert der Transaktion von knapp 10 Mrd. Euro auf unter 8 Mrd. Euro. Befürchtungen, die Commerzbank könne die Übernahme finanziell nicht stemmen, sind bereits abgeflaut, nachdem sie unter den staatlichen Rettungsschirm geschlüpft ist. Sie kann die 8,2 Mrd. Euro an Eigenkapital, die sie erhält, auch zum Kauf der Dresdner Bank nutzen. Laut Perlet plant die Allianz nicht, die Finanzierung zu unterstützen.

Perlet sagte, die Dresdner Bank werde das Ergebnis der Allianz bereits im vierten Quartal nicht mehr beeinträchtigen. Im abgelaufenen Vierteljahr verbuchte das Institut einen operativen Verlust von 834 Mio. Euro. Ohne gelockerte Bilanzierungsregeln wären es über 1 Mrd. Euro gewesen. Dennoch schloss Perlet aus, dass die Bank das Rettungspaket in Anspruch nimmt. Mit einer Kernkapitalquote von 8,1 Prozent sei sie gut ausgestattet.

Der Commerzbank, die selbst im dritten Quartal Verluste schrieb, steht nun eine schwierige Integration bevor. Die Aktie sackte gestern denn auch um 3,6 Prozent auf 8,13 Euro ab. Die Krise traf das operative Geschäft der Dresdner Bank hart. Beim Handelsergebnis fiel ein Verlust von 464 Mio. Euro an, den die Bank dank gelockerter Bilanzregeln schmälern konnte. Der Provisionsüberschuss sank zum Vorjahresquartal um 17,6 Prozent auf 547 Mio. Euro. Zudem schnellte die Risikovorsorge im Kreditgeschäft von 32 Mio. Euro auf 258 Mio. Euro hoch, weil die Krise zu Ausfällen führte.

Die Kosten stiegen um ein Viertel auf 1,25 Mrd. Euro. Auslöser waren höhere Boni als Halteprämien für Banker wegen des geplanten Verkaufs. Diese liegen laut Perlet deutlich unter den in Medienberichten genannten 400 Mio. Euro .

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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