Hannover Rück kündigt Jahresverlust an

Hohe Abschreibungen auf Aktien und andere Papiere · Dividende soll 2008ausfallen · Positive Aussichten für Lebensrückversicherung

Von Herbert Fromme, Köln

Die Hannover Rück rechnet mit einem Verlust für 2008 und will die Dividende ausfallen lassen. Vorstandschef Wilhelm Zeller sagte gestern, dass der weltweit viertgrößte Rückversicherer im dritten Quartal einen Verlust von 395 Mio. Euro erlitt. Hauptgrund waren hohe Abschreibungen auf Wertpapiere. Die Aktie verlor gestern 5,5 Prozent auf 19,57Euro.

In den ersten neun Monaten belief sich der Verlust auf 143 Mio. Euro. „Wir haben keines unserer Ziele für die ersten neun Monate erreicht“, sagte Zeller. Für den Rest des Jahres ist er etwas zuversichtlicher. „Wir glauben, dass wir im vierten Quartal ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen werden“, sagte Zeller. Er deutete damit an, dass das volle Jahr mit einem Verlust enden wird. Finanzchefin Elke König sagte, der Vorstand werde der Hauptversammlung empfehlen, keine Dividende zu zahlen.

Rückversicherer decken Erstversicherer gegen Katastrophen und langfristige Großschäden. Dafür bauen sie hohe Schadenreserven auf, die angelegt werden. Hannover Rück hatte am Ende des dritten Quartals 19,93 Mrd. Euro Kapitalanlagen. Hier trifft die Finanzkrise die Rückversicherer in erster Linie.

In den ersten neun Monaten musste Hannover Rück 355 Mio. Euro abschreiben. In der zweiten Oktoberwoche habe das Unternehmen alle ungesicherten Aktien im Wert von 1 Mrd. Euro verkauft, weil die entsprechenden Stop-Loss-Trigger angeschlagen hätten, sagte König. „Das sorgte allein im Oktober für Abschreibungen von 206 Mio. Euro.“ Jetzt habe Hannover Rück überhaupt keine ungesicherten Aktienbestände mehr. Im Gegensatz zum Weltmarktzweiten Swiss Re hat die Gesellschaft bisher kaum Belastungen aus Kreditderivaten gemeldet. Das Unternehmen sei mit weniger als zwei Prozent in strukturierten Finanzanlagen engagiert, sagte König.

Die Prämieneinnahmen der Hannover Rück gingen in den drei Quartalen um fünf Prozent zurück. Grund dafür seien Wechselkursschwankungen und die Aufgabe eines Geschäftsbereichs. Zeller sieht gute Aussichten für 2009. Der Markt entwickele sich positiv. „Wir können mehr Geschäft zeichnen, und wir haben den Appetit dafür“, sagte er. Große Chancen sieht er vor allem in der Lebensrückversicherung.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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