Münchener Rück kippt Gewinnziel

Hohe Verluste aus Aktienbestände · Weltmarktführer sieht Chancen durch Krise

Von Herbert Fromme, Köln

Der Rückversicherer Münchener Rück hat am Freitag einen erheblichen Gewinneinbruch für das dritte Quartal gemeldet und sein Gewinnziel für das Jahr 2008 zurückgenommen, ohne ein neues zu nennen. Auf seine Aktienbestände musste der Konzern 1,8 Mrd. Euro abschreiben. Das Unternehmen verdiente von Juli bis September nur magere 12 Mio. Euro, nach 1,2 Mrd. Euro im Vorjahresquartal.

Die Aktie legte am Freitag dennoch um 6,9 Prozent auf 102,97 Euro zu. Anleger reagierten darauf, dass die Münchener Rück ihre Zukunftsaussichten sehr positiv sieht. Die Kreditkrise führe zu mehr Nachfrage nach Rückversicherung und habe für eine Wende bei den lange fallenden Preisen gesorgt, sagte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek. Das werde sich in den nächsten Wochen bei den Verhandlungen mit den Kunden zeigen. Allerdings gebe es auch Sparten wie die Rückdeckung von Industrie-Feuerrisiken, in der einzelne Preise wegen hohen Wettbewerbsdrucks weiter nach unten gingen.

Rückversicherer decken Erstversicherer wie Zurich oder Provinzial gegen große und langfristige Belastungen ab. Quartalszahlen machen für diese Branche deshalb wenig Sinn. Aber auch die Zahlen für den aussagekräftigeren Zeitraum Januar bis September entwickelten sich in München nicht gut. Hier ging das Ergebnis von 3,35 Mrd. Euro auf 2,43 Mrd. Euro zurück, Aktienabschreibungen schlugen mit 4 Mrd. Euro zu Buche.

Finanzvorstand Jörg Schneider revidierte wegen der Finanzkrise das bereits gesenkte Gewinnziel des Konzerns. „Angesichts der erheblichen Aktienkursverluste wird der Jahresgewinn wahrscheinlich 2 Mrd. Euro, das entspricht 10 Euro je Aktie, nicht erreichen.“ Auch wenn es weiteren Abschreibungsbedarf geben sollte, werde die Münchener Rück das Jahr 2008 mit einem Gewinn abschließen, sagte Schneider.

Ende Juli hatte die Münchener Rück das ursprüngliche Gewinnziel von 3 Mrd. Euro bis 3,4 Mrd. Euro kassiert und „deutlich über 2 Mrd. Euro“ für 2008 angekündigt. 2007 hatte das Unternehmen 3,9 Mrd. Euro verdient. Vorstandschef Nikolaus von Bomhard hatte schon im Sommer den Aktionären eine unveränderte Dividende versprochen. An dieser Zusage hält die Münchener Rück fest, auch für 2008 sollen 5,50 Euro ausgeschüttet werden. Das Aktienrückkaufprogramm geht weiter.

Damit geht das Unternehmen einen anderen Weg als die Konkurrenten Swiss Re und Hannover Rück. Swiss Re hat sein Rückkaufprogramm ausgesetzt, die Hannover Rück will wegen eines wahrscheinlichen Jahresverlusts für 2008 die Dividende streichen.

In der Erstversicherung der Münchener Rück, in der sie mit Endkunden selbst Geschäfte macht, ging das Ergebnis in den ersten neun Monaten von 752 Mio. Euro auf 370 Mio. Euro zurück. Den größten Teil dieses Geschäfts verantwortet die Düsseldorfer Tochter Ergo.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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