Schiffsfonds bricht Neugeschäft weg

Weil die Reeder pleite sind, müssen Frachter neu vermietet werden – zudeutlich schlechteren Konditionen

VON Patrick Hagen

Die Finanzkrise ist bei den Anlegern von Schiffsfonds angekommen. Das Hamburger Fondshaus MPC, einer der größten Initiatoren von Schiffsbeteiligungen, hat Ende Oktober seinen Fonds „MPC Offen Flotte 2“ vom Markt genommen, weil absehbar war, dass die erwarteten Einnahmen nicht erzielt werden können. Aber auch Anleger bereits bestehender Fonds sind betroffen. Nachdem die ersten Reedereien bereits pleite sind oder Dienste eingestellt haben, müssen einige Fondsschiffe neu vermietet werden – zu schlechteren Konditionen.

Die Schifffahrt leidet unter den Folgen der Finanzkrise. Auf den wichtigen Routen zwischen Asien und Europa sowie den USA ist die Nachfrage nach Schiffsraum eingebrochen. „Im Augenblick subventionieren die Schifffahrtslinien jeden Container von Asien nach Europa mit 1000 $“, sagte Eivind Kolding, Chef der weltgrößten Linienreederei Maersk, Ende Oktober vor Branchenvertretern in Berlin. Die ersten Reeder haben damit begonnen, Schiffe stillzulegen. Die Lage könnte sich noch verschärfen, wenn im nächsten Jahr die ersten der neuen Riesenschiffe abgeliefert werden, die auf dem Höhepunkt des Booms bestellt wurden.

Dazu kommt, dass die Vertrauenskrise unter den Banken inzwischen auch direkte Auswirkungen auf die Schifffahrt hat. Die Banken zögern, Akkreditive auszustellen und anzuerkennen, mit denen sie dem Versender garantieren, dass seine Ware vom Empfänger bezahlt wird. Als Folge bleibt Ladung in den Häfen liegen.

Die meisten Fondsschiffe sind von der derzeitigen Marktlage nicht direkt betroffen. Sie sind in der Regel langfristig zu festen Raten verchartert. Bekommt allerdings ein Charterer Probleme, kann es vorkommen, dass er trotz laufender Verträge Schiffe zurückgibt oder die Mietpreise nachverhandeln möchte. Zahlungsunfähig sind bereits die niederländische Europe West Indies Lines (EWL) und die ukrainische Industrial Carriers. Zudem ist die halbstaatliche chinesische Shandong Yantai International Marine Shipping (SYMS) schwer angeschlagen und hat bereits ihren Dienst eingestellt.

Bei EWL und SYMS fuhren auch Schiffe, die von deutschen Anlegern finanziert wurden und die jetzt eine neue Verwendung brauchen. Bei SYMS sind unter anderem Containerschiffe der Emissionshäuser Conti, Fondshaus Hamburg und Ownership betroffen. Für die Schiffe mussten kurzfristig neue Charterer gefunden werden. Diese zahlen aber deutlich weniger als die bisherigen Mieter, sodass die Fonds geringere Einnahmen haben. Die Mietpreise sind in den vergangenen Monaten stark gesunken. Im Fall der Marcliff, die vom Fondshaus Ownership platziert wurde, liegt die neue Charter nach Angaben von Ownership-Geschäftsführer Thomas Wenzel rund zehn Prozent unter dem alten Preis.

Die Entwicklung der Charterraten war auch der Grund, weshalb MPC seinen Fonds zurückzog. Das Beteiligungsmodell bündelte vier Containerschiffe, eines mit 8500 Standardcontainern (TEU), drei mit 1800 TEU. Die Charter für die kleineren Schiffe wäre im nächsten Jahr abgelaufen. „Wir glauben, dass wir in der jetzigen Marktsituation keine Anschlusscharter in der avisierten Höhe bekommen hätten“, so ein MPC-Sprecher.

Probleme könnten vor allem Fonds bekommen, die ihre Schiffe auf dem Höhepunkt des Booms zu hohen Preisen gekauft haben und jetzt in der Krise eine neue Charter brauchen. „Banken haben in der Vergangenheit Weitsicht bewiesen, indem sie darauf geachtet haben, dass teure Schiffe mit Verträgen bei bonitätsstarken Charterern versehen waren“, sagt Albrecht Gundermann, Geschäftsführer des Initiators Maritim Equity.

Die Emissionshäuser weisen darauf hin, dass die Schifffahrt ein zyklisches Geschäft ist und Krisen regelmäßig vorkommen. „Ein gut konzipierter Fonds hat Krisenzeiten eingeplant und kann eine solche Phase überstehen“, sagt Lübbe Stecker, Geschäftsführer von GHF. Die Investition in einen Schiffsfonds ist eine unternehmerische Beteiligung. Ein Verlust des eingezahlten Kapitals ist grundsätzlich möglich. Ownership-Geschäftsführer Wenzel glaubt nicht, dass es so weit kommt. „Im Einzelfall gibt es vielleicht keine Ausschüttungen.“

Auf die Zahl neuer Fonds wird sich die Krise auf jeden Fall auswirken. „Wir werden mit Sicherheit weniger Neuprojekte sehen“, sagt Wenzel. Außerdem sind die Anleger mittlerweile zurückhaltender geworden. Schiffsfonds lassen sich zurzeit nur schleppend verkaufen. Schon in der ersten Jahreshälfte lag der Absatz von Schiffsfonds unter dem des Vorjahreszeitraums. Dieser Trend wird sich noch verschärfen, erwarten Beobachter.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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