Assekuranz scheut Ford und GM

Kreditversicherer gewähren keine Deckung für Lieferungen an Autokonzerne ·Risiko tragen Zulieferer

Von Herbert Fromme, Köln

Die in Deutschland aktiven Kreditversicherer geben kaum noch Deckung für Lieferungen an Töchter von Ford und General Motors. „Sie haben amerikanische Konzernmütter, die im Augenblick von sich selbst sagen, dass sie nur mit substanzieller Hilfe der amerikanischen Regierung überlebensfähig sind“, sagte Peter Ingenlath, stellvertretender Vorstandschef des niederländischen Versicherers Atradius und Vorsitzender des Kreditversicherungsausschusses im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

„Die in Deutschland und Europa ansässigen Töchter gehen zu ihren Regierungen und sagen: ,Wir befürchten, dass unsere amerikanischen Mütter die Gelder, die wir ihnen ausgeliehen haben, im Falle einer Insolvenz in den USA nicht zurückzahlen würden`“, erläuterte Ingenlath. Kreditversicherer hätten in dieser Lage keine andere Wahl, als den Deckungsschutz aufzugeben. Es handele sich aber um Einzelfälle.

Kreditversicherer decken Unternehmen gegen Forderungsausfälle ab, falls Kunden insolvent werden. Ziehen Kreditversicherer ihre Deckung zurück, kann ein Zulieferer weiter liefern – aber er trägt selbst das Risiko oder muss andere Methoden vereinbaren, etwa Vorkasse. In Deutschland sind im Segment Kreditversicherung fünf Gesellschaften aktiv: die Allianz-Tochter Euler Hermes, Atradius, Coface, R+V sowie Zurich.

Ingenlath wies den Vorwurf zurück, die Kreditversicherer hätten eine große Mitverantwortung für die Probleme mancher Branchen, vor allem der Autozulieferer. Das sei „faktisch falsch“. Seit Jahresanfang hätten sich die Deckungsvolumina der Kreditversicherer für die Automobilindustrie zwar um ein Drittel reduziert. „Aber von diesem einen Drittel entfallen ungefähr zwei Drittel darauf, dass einfach weniger Bedarf da ist“, sagte er. Wenn ein Hersteller 50 Prozent weniger Autos verkaufe, brauche er auch 50 Prozent weniger Teile. Neben den Autozulieferern sieht die Branche Probleme in der Textilindustrie sowie bei Transport und Logistik.

Ingenlath zufolge sind nach Jahren von Preissenkungen nun Erhöhungen angebracht. Diese bezifferte er auf zehn Prozent in unbelasteten Branchen und bis zu 100 Prozent für schadenträchtige Geschäftszweige.

„Es gibt keinen großflächigen Rückzug der Kreditversicherer aus der Absicherung von Warenkrediten“, sagte Ingenlath. In den ersten drei Quartalen sei das abgesicherte Volumen um 15,6 Prozent gestiegen, der Trend sei im Oktober fortgesetzt worden. Ende Oktober habe die Branche ein Deckungsvolumen von 344 Mrd. Euro aufgewiesen, 42 Mrd. Euro mehr als ein Jahr zuvor.

Verweigerten Kreditversicherer Deckung, handelten sie als verantwortungsbewusste Kaufleute – auch im Interesse ihrer Versicherten. Die müssten im Schadenfall einen Selbstbehalt von 20 bis 25 Prozent zahlen. Mit ihren Frühwarnsystemen sei es die Aufgabe der Branche, „unvertretbare Risiken von unseren Kunden abzuwenden“.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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