Gewappnet für den Notfall

Wer Risiken erkennt und vorsorgt, sichert die Existenz seines Unternehmens

Von Patrick Hagen

Feuer, Explosionen, Stürme, Betrug, Haftungsansprüche oder schwankende Wechselkurse – unzählige Gefahren bedrohen mittelständische Unternehmen. Möglichst viele dieser Risiken müssen Führungskräfte erkennen und vermeiden oder sich, wenn erforderlich, Versicherungsschutz suchen. „Mittelständische Unternehmen sind vom Grundsatz her den gleichen Risiken ausgesetzt wie Konzerne“, sagt Kim-André Vives vom Freiburger Versicherungsmakler Südvers.

Immer mehr Mittelständler erkennen, dass sie sich gegen Bedrohungen wappnen müssen. „Das Risikobewusstsein ist gestiegen“, sagt Jörg Lange vom Versicherer Victoria. Doch während große Unternehmen und internationale Konzerne eigene Riskmanager und ganze Abteilungen für den Versicherungseinkauf unterhalten, ist dafür in vielen mittelständischen Betrieben der Geschäftsführer zuständig, dem meist die Zeit fehlt, sich damit ausreichend zu beschäftigen.

Ein zusätzliches Problem ist, dass viele Unternehmen einem stärkeren Kostendruck ausgesetzt sind: Preise für Rohstoffe steigen, in vielen Branchen hat sich der Wettbewerb in den vergangenen Jahren verschärft. Dazu kommen die Auswirkungen der Kreditkrise. „Das hat dazu geführt, dass die Firmen auch deutlich am Versicherungsschutz sparen“, sagt Versicherungsmakler Vives.

Ein großer Brand oder eine Explosion in einer Produktionshalle können allerdings schnell existenzgefährdend werden. Der Sachschaden ist nicht immer das größte Problem. Kann das Unternehmen nicht mehr produzieren und rechtzeitig liefern, wandern seine Kunden schnell zur Konkurrenz ab. Während ein Großkonzern die Herstellung in ein anderes Werk verlagern kann, kann eine lange Betriebsunterbrechung für einen Mittelständler mit nur einer Produktionsstätte das Aus bedeuten.

Hier hilft auch keine Versicherung. Das Unternehmen kann zwar die beschädigten Geräte und die laufenden Kosten während der Betriebsunterbrechung versichern, nicht aber den Verlust von wichtigen Kunden. Um die Betriebsunterbrechung nach einem Schaden möglichst kurz zu halten, beschäftigen Unternehmen spezielle Dienstleister. „Wir können Produktionsanlagen vorübergehend so instand setzen, dass Unternehmen zumindest wieder gewisse Mengen herstellen können“, sagt Cornelia Meyer vom Sanierungsspezialisten Belfor.

Der Dienstleister bietet Unternehmen, für die ein Betriebsausfall besonders kritisch wäre, ein maßgeschneidertes Notfallprogramm an. „Wir gehen vorher in die Produktionsanlagen und schauen uns an, welche Maschinen der Kunde verwendet, sodass wir im Schadenfalle schnell helfen können“, sagt Meyer.

Besonders gefährdet von Betriebsstillständen sind Autozulieferer. Liefern sie für einige Wochen oder länger nicht, suchen sich die Autohersteller Ersatz. Hohe Kosten drohen der Zulieferindustrie auch durch Rückrufaktionen. Firmen können sich mit speziellen Rückrufkosten-Versicherungen dagegen schützen.

Allerdings schauen auch die Versicherer bei kritischen Branchen genau hin, wem sie eine Deckung erteilen. Bei Autozulieferern schickt etwa die Victoria erst eigene Experten, die sich das Unternehmen genau ansehen. „Die Kfz-Zulieferindustrie ist eines der am meisten exponierten Risiken“, sagt Victoria-Manager Lange.

Doch die Police schützt nicht immer: Nicht abgesichert sind oft Rückrufe von Produkten, die zwar fehlerhaft sind, aber die keine Gefahr darstellen. „Es muss ein drohender Personenschaden vorliegen“, sagt Rudolf Meier vom Nürnberger Versicherungsmakler Radloff, Meier und Kollegen. Autohersteller organisieren aber häufig Rückrufe, wenn der Produktfehler eigentlich ungefährlich ist.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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