Gothaer spürt kaum Krisenfolgen

Versicherer hat Kapitalanlagen weit gestreut · Unveränderte Überschussbeteiligung

Von Herbert Fromme, Köln

Die Versicherungsgruppe Gothaer rechnet für 2008 mit knapp 140 Mio. Euro Abschreibungen durch die EuroKreditkrise. „Auf Aktien sind das rund 73 Mio. Euro, auf Hedge-Fonds-Anlagen rund 50 Mio. Euro“, sagte Finanzchef Jürgen Meisch. Dazu kommen 12 Mio. Euro auf festverzinsliche Wertpapiere. Insgesamt verwaltet der Konzern 23 Mrd. Euro an Kapitalanlagen.

Konzernchef Werner Görg rechnet mit einem Konzerngewinn von 100 Mio. Euro für 2008, nach 135 Mio. Euro 2007. Damit steht die von einem Versicherungsverein geführte mittelgroße Gruppe deutlich besser da als viele Konkurrenten, die einen deutlicheren Gewinnrückgang angekündigt haben. Finanzchef Meisch nannte den hohen Streuungsgrad sowie die genaue interne Risikoprüfung bei allen Engagements als Grund für die moderate Belastung. Görg hatte den Manager 2004 von der zu Warren Buffetts Firmenimperium gehörenden Gen Re geholt.

Die Gothaer war 2002 bis 2004 durch eine risikoreiche Strategie in der Aktienkrise in große Schwierigkeiten geraten. Daraus zog das Unternehmen Konsequenzen. „Unser Kreditportfolio, das 32 Prozent der Kapitalanlagen ausmacht, ist deutlich breiter gestreut als im Marktschnitt der Versicherer“, sagte Meisch. Die Gothaer Lebensversicherung habe nur 8,7 Prozent aller Kapitalanlagen in Schuldscheindarlehen von Banken, der Markt 22 Prozent, sagte er. „Der Markt hat dadurch hohe Klumpenrisiken in deutschen Banken.“ Das sehe zwar in den Bilanzen besser aus, weil keine Abschreibungen bei Zinssteigerungen nötig seien, habe aber schon vor der Krise zu einer unattraktiven Rendite geführt und führe nach der Krise zu hohen Risiken.

Für das volle Jahr 2008 rechnet Meisch mit einer Nettoverzinsung von rund 4,6 Prozent, „das wird deutlich über dem Markt sein“. 2007 erzielte die Gothaer 5,1 Prozent, der Markt 4,6 Prozent.

Beim Problemkind Hypo Real Estate ist die Gothaer mit 300 Mio. Euro engagiert. Die Höhe der Beteiligung am Rettungspaket, zu dem die Assekuranz insgesamt 1,4 Mrd. Euro beisteuert, wollte Konzernchef Görg nicht nennen.

Für 2009 will der Versicherer den Kunden in der Lebensversicherung unveränderte Überschussbeteiligungen von 4,5 Prozent für die Gothaer Leben und 4,6 Prozent für die Asstel Leben gutschreiben – auch wenn die Aufsicht BaFin alle Gesellschaften zu Absenkungen drängt. Die Kapitalerträge rechtfertigten das, sagte Görg. Auch mache es die Rechtsform des Versicherungsvereins bei der Obergesellschaft möglich, mit niedrigeren Dividenden der Töchter auszukommen. „Wir können das Geld auch in Produkte investieren“, sagte er. Die Überschussbeteiligung ist der zentrale Wettbewerbsfaktor in der Lebensversicherung.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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