Schiffsfonds in Not

Fondshaus Hamburg stützt eines seiner Produkte mit einem Darlehen von 15 Mio.Euro

Von Patrick Hagen

Das Fondshaus Hamburg muss einen seiner Schiffsfonds mit zusätzlichen Geldern retten. Die Reederei Ahrenkiel, die wie das Fondshaus zur Ahrenkiel-Gruppe gehört, gewährt dem Schiffsfonds Nr. 38 ein Darlehen in Höhe von 15 Mio. Euro. Der Fonds enthält ein Schiff ohne Beschäftigung – es ist also unvermietet. Die im Prospekt prognostizierten Einnahmen sind somit nicht mehr zu erzielen. „Wir hatten die Wahl, den Fonds vom Markt zu nehmen oder ihn zu retten“, sagt Jens Brandis, Geschäftsführer des Emissionshauses.

Die Schifffahrt leidet zurzeit unter deutlich gesunkener Nachfrage nach Frachtraum – vor allem auf der wichtigen Strecke zwischen Asien und Europa. Die Fracht- und Charterraten für Schiffe befinden sich im freien Fall. Auch Schiffsfonds sind unter Druck geraten. Marktführer MPC hat bereits einen Fonds vom Markt genommen, weil die erwarteten Einnahmen nicht mehr realistisch waren.

In der Regel sind Fondsschiffe langfristig verchartert. Die Schwankungen auf den Märkten schlagen nicht direkt auf die Einnahmen des Fonds durch. Anders im Fall des jetzt betroffenen Fonds. Der Anbieter hat in dem Fonds einen Autotransporter und zwei Containerschiffe zusammengefasst. Während der Autotransporter und das kleinere der beiden Containerschiffe für fünf und 13 Jahre verchartert sind, hat das Emissionshaus für den Frachter „Johannesburg“ keinen Vertrag abgeschlossen. Der Fonds sollte von den im Vergleich höheren Raten für kurzfristige Anmietungen profitieren. Der Verfall der Chartermärkte hat dem Initiator jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht.

In einem Prospektnachtrag hat das Fondshaus Hamburg nun seine Erwartungen nach unten korrigiert. Statt einer Rate von 30 000 $ pro Tag rechnet der Initiator für die nächsten sechs Monate nur noch mit Einnahmen von 17 000 $. Mit dem Darlehen werden jetzt die Chartereinnahmen des Fonds subventioniert, sodass der Fonds rechnerische Einnahmen von 26 900 $ erzielt. „So können wir die derzeitige Situation auf den Chartermärkten überbrücken“, sagt Brandis. Er rechnet damit, in einem halben Jahr Raten von 22 000 $ am Tag zu bekommen. Ab Juni 2010 sollen 23 310 $ pro Tag erzielt werden. Die Differenz zu den 26 900 $ wird mit dem Darlehen ausgeglichen.

Für das Abrufdarlehen muss der Fonds einen Festzins in Höhe von 150 000 Euro im Jahr bezahlen. Dazu kommen jährlich 0,5 Prozent des in Anspruch genommenen Betrags. Die Rückzahlung erfolgt aus den Fondseinnahmen. Im Gegenzug verzichten der Emittent und die Treuhandgesellschaft auf einen Teil ihrer Gebühren.

Das Produkt ist seit Juli im Vertrieb. Bisher wurden nach Angaben des Fondshauses etwa zwölf Prozent des Eigenkapitals in Höhe von 50 Mio. Euro eingeworben.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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