Schlammschlacht beim Deutschen Ring eskaliert

Bâloise will Wolfgang Fauter aus dem Amt drängen

Von Herbert Fromme, Köln

Der Streit zwischen der Schweizer Bâloise und dem Vorstand des Versicherungsvereins Deutscher Ring (DR) Kranken gewinnt an Schärfe. Grund dafür waren Interviewäußerungen von DR-Kranken-Chef Wolfgang Fauter Anfang vergangener Woche. Darin hatte er die Existenz eines Darlehens an die 2007 gegründete externe Vertriebsorganisation Formaxx eingestanden. Fauter stand bis zu seiner Abberufung im November auch an der Spitze der Bâloise-Töchter DR Leben und DR Sach.

Die Darlehenssumme soll rund 20 Mio. Euro betragen haben, wie es in Marktkreisen hieß. Fauter spricht nur von einem „zweistelligen Millionenbetrag“. Das Geld soll von der gemeinsamen Zwischenholding Deutscher Ring Beteiligungsholding sowie der DR Kranken geflossen sein.

Die Bâloise reagierte auf das Eingeständnis mit einer kräftigen Attacke. Die Aufsichtsräte der Sach und der Leben seien über die Finanzierung der Formaxx nicht informiert gewesen, „obwohl es sich um zustimmungspflichtiges Geschäft handelte“, hieß es. Auch habe der damalige Vorstand irreführende Angaben gegenüber der Finanzaufsicht BaFin gemacht. Die „verheimlichte Geschäftsbeziehung zur Formaxx AG“ sei einer der Gründe, warum die Aufsichtsräte von DR Leben und DR Sach die Verträge der bisherigen Vorstände fristlos am 18. Dezember gekündigt hätten. Bis dahin waren sie als Vorstände nur abberufen gewesen, die Anstellungsverträge blieben aber gültig.

Fauter und seine Kollegen reagierten prompt. „Der Vorstand des Deutscher Ring Krankenversicherungsvereins wird eine Strafanzeige wegen übler Nachrede gegen Dr. Frank Grund … stellen.“ Grund ist neuer Chef der Bâloise-Töchter DR Sach und DR Leben.

Fauter wirft seinem einstigen Duzfreund Frank vor, falsche Behauptungen aufgestellt zu haben. Die Beteiligungsholding sei sehr wohl berechtigt gewesen, ohne Zustimmung des Aufsichtsrats von Deutscher Ring Leben und Deutscher Ring Sach Darlehen zu vergeben. Irreführende Angaben auf Nachfrage der BaFin habe es nie gegeben. Die fristlose Kündigung zum 18. Dezember sei unsinnig, weil der Vorstand selbst bereits zum 5. Dezember 2008 seine fristlose Kündigung wegen Vertrauensbruchs ausgesprochen habe.

Quelle: Financial Times Deutschland


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