Zurich will Euler Hermes überholen

Industrieversicherer greift im Kautionsgeschäft an

Von Anja Krüger, Frankfurt

Der Versicherer Zurich prescht in der Kautionsversicherung vor und hat dem europäischen Marktführer, der Allianz-Tochter Euler Hermes, den Kampf angesagt. „Wir möchten bis 2010 der führende Kautionsversicherer in Europa werden“, sagte Marita Kraemer, Vorstandsmitglied der Zurich Gruppe Deutschland und Leiterin der Geschäftseinheit Kreditversicherung der FTD.

Durch die Finanzkrise wächst die Chance für Versicherer, ihren Marktanteil in diesem von Banken dominierten Bereich auszubauen.

Bei der Kautionsversicherung stellt der Anbieter Unternehmen eine Bürgschaft aus oder übernimmt eine Garantie für seine Leistungen. Die Verträge sind wichtig für die Baubranche, den Maschinen- und Anlagebau sowie für Firmen aus dem Bereich der alternativen Energien. Über die Prämieneinnahmen im Geschäftsfeld Kautionsversicherung will Zurich keine Angaben machen. Marktführer Euler Hermes kam im Jahr 2007 in Europa in diesem Segment auf Prämieneinnahmen von 120 Mio. Euro.

Im Kautionsgeschäft haben Versicherer nur einen Anteil von 15 Prozent, der Rest liegt bei Banken. Die Chancen für Versicherer stünden derzeit gut, sagte Kraemer. Unternehmen können durch den Kauf einer Bürgschaft oder Garantie beim Versicherer ihre Kreditlinien schonen, denn Banken müssen diese Leistungen wie Kredite behandeln. Die Police beim Versicherer wird dagegen nicht als Kredit gewertet. „Diese Möglichkeit zu nutzen kann Unternehmen helfen, schwierige Zeiten zu überstehen.“

In Deutschland werde die Zurich in der Kautionsversicherung hinter dem hiesigen Marktführer R+V bleiben, sagte Kraemer. R+V erwartet in dem Spezialsegment 2008 Prämieneinnahmen von 117 Mio. Euro. Der Versicherer gehört zum Verbund der Volks- und Raiffeisenbanken und hat damit guten Kundenzugang.

In der Warenkreditversicherung grenzt sich Zurich von der Geschäftspolitik der drei Marktgrößen Euler Hermes, Atradius und Coface deutlich ab. Die Konkurrenten haben angesichts der Wirtschaftslage flächendeckend die Preise erhöht und gewähren für bestimmte Adressen etwa aus der Automobilindustrie überhaupt keine Deckung mehr. Zurich werde an der bisherigen sehr individuellen Risikoprüfung festhalten und die Preise nicht pauschal erhöhen, sagte Kraemer.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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