Allianz-Rivalen erbost über Hilfe

Branche sieht Commerzbank-Teilverstaatlichung als Wettbewerbsverfälschung

Von Herbert Fromme, Köln

Die Rettungsaktion der Bundesregierung für die Commerzbank und damit auch für den Verkauf der Dresdner Bank durch die Allianz stößt auf heftige Kritik bei Konkurrenten in der Assekuranz. „Im Hinblick auf einen fairen Wettbewerb und den Erhalt unseres erfolgreichen Marktwirtschaftssystems ist es ein Skandal, was da passiert“, sagte Frank Keuper, Vorstandschef der Axa Deutschland in Köln, der FTD.

Ein anderer Versicherungsmanager kritisierte, eine notleidende Bank kaufe eine andere notleidende Bank mit Milliarden an Staatshilfe. Damit habe die Allianz ihre selbst geschaffenen Probleme mit der Dresdner Bank auf Kosten des Steuerzahlers gelöst.

Die Commerzbank will noch in diesem Monat die bisherige Allianz-Tochter Dresdner Bank komplett übernehmen. Vor allem da die Dresdner Bank durch große Engagements in riskanten Wertpapieren stark angeschlagen ist, hat sich die Commerzbank vergangene Woche erneut eine milliardenschwere Kapitalspritze vom Staat besorgt – insgesamt hat sie nun 18,2 Mrd. Euro vom Bund erhalten. Teil des Deals der vergangenen Woche ist auch, dass die Allianz eine Kapitalspritze über 1,85 Mrd. Euro stellt. Der Versicherungskonzern nimmt der Dresdner Bank zum einen verbriefte Wertpapiere (CDOs) im Nominalwert von 2 Mrd. Euro für 1,1 Mrd. Euro ab. Das entlastet das Eigenkapital der Bank um 700 Mio. Euro. Zum anderen leistet auch die Allianz eine stille Einlage von 750 Mio. Euro.

Bei der Münchener Rück, die mit ihrer Tochtergesellschaft Ergo ein direkter Rivale der Allianz ist, gibt es ebenfalls Unzufriedenheit über die Vereinbarungen der vergangenen Woche. Die Tatsache, dass die Münchener Rück und ihre Töchter bewusst weniger aggressiv investiert hätten, dürfe sich nicht negativ auswirken, hieß es in Führungskreisen. „Wer risikoärmer angelegt hat als die Allianz und sein Credit-Risk deutlich niedriger hielt, wird wegen der Staatseingriffe in dieser Krise nicht belohnt“, so ein Manager. „Man kann das als Verfälschung des Wettbewerbs sehen.“ Auch wenn die Versicherungsbranche prinzipiell für die Auffanglösung sei, müsse die Chancengleichheit gewahrt bleiben.

Anleger teilten die Auffassung der Allianz-Rivalen, dass die Teilverstaatlichung der Commerzbank dem Versicherungsgiganten nutzt. Am Freitag legte die Allianz-Aktie in schwachem Umfeld um knapp sechs Prozent auf 70,50 Euro zu. Analysten begrüßten zudem, dass sich das Kapitel Dresdner Bank für die Allianz dem Ende nähert. Andrew Broadfield von Morgan Stanley behielt seine Empfehlung „Übergewichten“ für die Allianz-Aktie bei. „Die Befreiung der Allianz von ihren Altlasten sehen wir als entscheidenden Katalysator für die Aktie“, schrieb Broadfield. Allerdings gab es auch kritische Stimmen zur Kapitalspritze. „Es ist negativ, dass der Dresdner-Bank-Deal ein zweites Mal nachverhandelt werden musste“, so WestLB-Analyst Andreas Schäfer. Möglicherweise habe die Allianz der Dresdner die risikoreichsten CDOs abnehmen müssen. Das werde in Abschreibungsbedarf münden.

Die Allianz hatte die Dresdner Bank 2001 für 24 Mrd. Euro übernommen. Als Allianz und Commerzbank den Dresdner-Deal im September besiegelten, war in dem geplanten zweistufigen Verfahren ein Preis von 9,8 Mrd. Euro verabredet worden. Im Dezember war jedoch nachverhandelt worden: Die Allianz erhält nun – einschließlich der Commerzbank-Tochter Cominvest und des Anteils von künftig 14 Prozent an der Commerzbank – knapp 5 Mrd. Euro.

Der Allianz-Konzern sieht keine Verfälschung. „Bei diesen Vorgängen ist alles streng nach den Regeln geschehen“, sagte ein Sprecher. Man könne dem Versicherungskonzern wohl kaum die Finanzkrise vorwerfen. „Das sind Ereignisse außerhalb unserer Kontrolle.“

Leitartikel 25

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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