Commerzbank bangt um Dresdner-Kauf

Neue Hilfen des Rettungsfonds Soffin und staatlich garantierte Anleihe sollen Übernahme sichern

VON Mareike Schulz, Nina Luttmer, Frankfurt, Herbert Fromme, Köln, und Sven Clausen, Hamburg

Die Commerzbank will mit frischen Milliarden die Übernahme der Dresdner Bank sichern. Nach FTD-Informationen begeben die Frankfurter noch in dieser Woche als erstes deutsches Geldhaus eine staatlich garantierte Anleihe. Das Volumen soll Finanzkreisen zufolge bei 1 bis 2 Mrd. Euro liegen.

FTD-Infomationen zufolge ist der Abschreibungsbedarf von Commerzbank und Dresdner so hoch, dass die aufsichtsrechtlich geforderte Kernkapitalquote von mindestens acht Prozent im Falle eines Zusammenschlusses nicht mehr erreicht werden kann. Die Commerzbank ist daher zwischen Weihnachten und Neujahr erneut beim staatlichen Rettungsfonds Soffin vorstellig geworden, um eine Lösung zu finden, in die auch die Dresdner-Mutter Allianz eingebunden werden soll.

Zur Diskussion stehen der Ankauf von Risikopositionen beider Banken und eine abermalige Eigenkapitalhilfe. Die Commerzbank hat bereits Liquiditätsgarantien von 15 Mrd. Euro und eine Eigenkapitalhilfe von 8,2 Mrd. Euro aus den Mitteln des Soffin erhalten. „Die Situation hat sich dramatisch zugespitzt und ist sehr schwierig“, sagte ein Insider. Eigentlich sollte die Übernahme noch diesen Monat abgeschlossen werden.

Neben der Commerzbank planen auch andere deutsche Institute die Ausgabe staatlich garantierter Bonds – von Papieren also, für die die öffentliche Hand bei einem möglichen Ausfall geradesteht. Mit dem Geld wollen sich die Banken Liquidität sichern, um für weitere Probleme gewappnet zu sein. Ursprünglich sollte die HSH Nordbank noch vor der Commerzbank als erstes deutsches Geldhaus eine solche Anleihe begeben. In Finanzkreisen hieß es, dass man sich unter Beteiligung des Soffin darauf verständigt habe, diese Reihenfolge umzukehren. Die Commerzbank soll demnach als „Eisbrecher“ für die anderen Institute fungieren.

„Man braucht einen starken Namen in der Arena“, sagte ein Analyst. „Die Verantwortlichen haben erkannt, dass auch staatsgarantierte Anleihen kein Selbstläufer am Markt sind“, so ein Banker. „Sie haben wohl gemerkt, dass es keine gute Idee ist, die HSH als Erstes durchzudrücken.“ Bei einem solchen Debüt dürfe nichts schieflaufen, sagte ein Kreditmarktstratege. Sollte die erste Emission reibungslos abgewickelt werden, stünden die Chancen höher, dass sich der Markt für die Bankenrefinanzierung stabilisiere.

Auch Kreditanalysten glauben, dass es die Scheu der Investoren abbauen könnte, wenn zunächst die Commerzbank an den Markt geht. „Dem Argument ist durchaus etwas abzugewinnen“, sagte ein Bankanalyst. „Viel interessanter aber wird die Frage sein, zu welchem Preis die erste staatsgarantierte Bankanleihe tatsächlich auf den Markt kommen wird.“ Experten erwarten, dass die Commerzbank eine Risikoprämie von 0,3 bis 0,5 Prozentpunkten über dem sogenannten Swap-Satz zahlen muss. Eine Commerzbank-Sprecherin sagte auf Anfrage lediglich, dass über Zeitpunkt und Volumen der Emission noch nicht entschieden sei.

Die HSH Nordbank, zu deren Eignern die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein gehören, wollte ursprünglich bereits im Dezember ihre Anleihe auf den Markt bringen, verschob die Emission aber dann. Es wird spekuliert, dass das Investoreninteresse an dem Bond trotz des erstklassigen Ratings des Papiers zurückhaltend sein könnte.

Nach FTD-Informationen wird die HSH Anfang nächster Woche einen neuen Versuch unternehmen, ihren Bond zu platzieren. Folgen werden nach derzeitigem Stand die Bayerische Landesbank und die Düsseldorfer IKB. Auch die niedersächsische Landesbank Nord/LB hatte im Dezember angekündigt, sich über eine staatlich garantierte Anleihe frisches Kapital zu besorgen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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