Handwerk strebt Großkrankenkasse an

Vereinigte IKK und Betriebskasse des Privatversicherers Signal Iduna gehenzusammen · Annäherung der Systeme

VON Ilse Schlingensiepen, Köln

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks und der Privatversicherer Signal Iduna bereiten eine einzigartige Krankenkassenfusion vor. Die Innungskrankenkasse Vereinigte IKK und die kleine Betriebskrankenkasse (BKK) Signal Iduna wollen sich nach Informationen der FTD zusammenschließen. Geplant ist, dass in einem nächsten Schritt weitere Innungs- und Betriebskrankenkassen folgen, die dem Handwerk und dem Mittelstand nahestehen. In der neuen Kasse sehen offenbar sowohl der private Krankenversicherer (PKV) als auch der Mittelstand eine Möglichkeit, ihre Interessen in der Weiterentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vertreten zu können. Die Gremien wollen an diesem Freitag die endgültige Entscheidung über das Projekt fällen.

Im vergangenen Jahr haben schon die BKK Allianz und die Kaufmännische Krankenkasse Hannover die Fusion beschlossen. Die neue KKH/Allianz nimmt am 1. April dieses Jahres die Arbeit auf. Die neue Kasse hat mit der Allianz Private Krankenversicherung eine strategische Partnerschaft beschlossen, die weit über die bisher im Markt schon länger übliche Vertriebszusammenarbeit von gesetzlicher und privater Krankenversicherung hinausgeht.

Die alten Grenzen zwischen privaten und gesetzlichen Krankenversicherern weichen immer mehr auf. Mit neuen Kooperationsformen wollen sich sowohl die Krankenkassen als auch die PKV-Unternehmen eine günstige Ausgangsposition für den Fall schaffen, dass die Karten im Gesundheitswesen nach der Bundestagswahl neu gemischt werden und das Verhältnis GKV/PKV neu geregelt wird.

Zudem hat das seit dem 1. Januar für die GKV geltende Finanzierungsmodell des Gesundheitsfonds mit einem einheitlichen Beitragssatz den Fusionsdruck im Kassenlager erhöht.

Erwartet wird eine drastische Verringerung der Zahl der Krankenkassen, die zurzeit noch bei rund 200 liegt. Das Handwerk will offensichtlich dafür sorgen, dass die ihm nahestehenden Kassen in diesem Prozess nicht ihre Identität verlieren.

Die Vereinigte IKK hat mehr als eine Million Versicherte, die Signal Iduna BKK rund 15 000. Wenn sich wie erwartet weitere der zurzeit 14 Innungskrankenkassen anschließen, entsteht langfristig ein neues Kassenschwergewicht – insgesamt haben die IKKen bundesweit mehr als fünf Millionen Versicherte. Die Größe wird immer wichtiger, weil Kassen verstärkt darauf setzen, Einzelverträge mit Gruppen von Ärzten oder Krankenhäusern zu schließen. Je mehr Versicherte sie haben, desto bessere Konditionen können sie aushandeln.

Die Signal Iduna hat ihre Wurzeln in der Versicherung des Handwerks und ist die Nummer vier im Markt der privaten Krankenversicherer. Der Vorstandsvorsitzende Reinhold Schulte ist gleichzeitig Vorsitzender des Verbands der privaten Krankenversicherungen. Auch als möglicher Kooperationspartner im Bereich der Zusatzversicherungen wäre eine solche Großkasse für den Versicherer von Interesse.

Einzelheiten des Zusammenschlusses waren bis zuletzt umstritten, darunter der Name der neuen Kasse. In der Diskussion ist unter anderem Signal Iduna IKK. Der Name muss gemeinsam mit der neuen Satzung vom Bundesversicherungsamt genehmigt werden, das dem Bundesgesundheitsministerium untersteht.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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