Versicherer beruhigen Anleger

Angeblich keine Bedrohung durch Hybridpapiere

Von Herbert Fromme, Köln

Nach dem heftigen Einbruch der Versicherungsaktien am Freitag haben die Assekuranzkonzerne gestern mit Erfolg versucht, die Anleger wieder zu beruhigen. Der Versicherungsindex im Stoxx 600 schloss mit einem Plus von 7,9 Prozent. Am Freitag hatte er 4,4 Prozent nachgegeben.

Die starken Schwankungen spiegeln Ängste der Anleger, dass die Finanzkrise auf die Versicherer übergreift. Bislang sind sie glimpflicher davongekommen als die Banken, auch wenn einzelne Gesellschaften wie Swiss Re Einschläge in Milliardenhöhe aus der Absicherung von Derivaten hinnehmen mussten.

Sorgen machen sich Anleger zurzeit über Investitionen der Versicherer in Hybridpapieren, auch Tier-1 genannt, vor allem bei britischen Banken. Das sind höher verzinste nachgelagerte Anleihen, die gerne von Banken und Versicherern ausgegeben werden, weil Aufsicht und Ratingagenturen sie als Eigenkapitalersatz anerkennen.

Wer eine nachrangige Anleihe zeichnet, bekommt im Insolvenzfall erst nach allen anderen Gläubigern Geld, falls noch etwas da sein sollte. Die Furcht vor dem Zusammenbruch britischer Banken belastete vergangene Woche auch die Versichereraktien.

Der Allianz-Konzern hat auf eigene Rechnung einen „kleinen bis mittleren dreistelligen Millionenbetrag“ in Hybridanleihen investiert, sagte ein Sprecher. In Hybridanleihen angelegte Kundengelder sind darin nicht enthalten. „Unsere gesamten Kapitalanlagen auf eigene Rechnung betragen 400 Mrd. Euro“, sagte der Sprecher.

Damit bestätigte das Unternehmen Analystenschätzungen, nach denen der Münchner Konzern 300 Mio. Euro bis 500 Mio. Euro in solchen Papieren hält. Michael Huttner von JP Morgan glaubt, dass davon bis zu 300 Mio. Euro bei britischen Banken angelegt sind. In den Zahlen ist die stille Einlage der Allianz bei der Commerzbank in Höhe von 750 Mio. Euro nicht enthalten.

Die Münchener Rück hielt Ende 2008 Hybridpapiere von gut 600 Mio. Euro, teilte das Unternehmen mit. „Hier kann es vor allem bei einer Fortdauer der Krise in einzelnen Fällen zu Zinsausfällen und Kapitalherabsetzungen kommen“, hieß es. Vorsorglich habe die Gruppe bereits für den Jahresabschluss 2008 begrenzte Abschreibungen vorgenommen.

Swiss Re, deren Aktien am Freitag mit einem Minus von 19,2 Prozent auf 27 Franken schwer unter Druck kamen, legte gestern um 10,8 Prozent auf 29,92 Franken zu. Das Unternehmen teilte mit, es habe Ende September Hybridpapiere für 1,5 Mrd. Franken Marktwert gehalten, davon 0,4 Mrd. Franken bei britischen Banken.

ftd.de/versicherung

Rückversicherungen mit Risiko

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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