Neuer Spieler auf dem Zweitmarkt

Der deutsche Anbieter Wizard will geschlossene Fonds im Geschäft mit gebrauchten US-Lebenspolicen angreifen

VON Patrick Hagen

und Carla Neuhaus

Das Vertriebs- und Beratungsunternehmen Wizard Consulting startet Mitte Februar mit einem neuen Angebot Investments in US-amerikanische Zweitmarktpolicen. Bisher konnten sich Privatanleger vor allem über geschlossene Fonds an US-Lebenspolicen beteiligen. Wizard verspricht Anlegern mit seinem Cascade-Portfolio jetzt eine deutlich flexiblere Möglichkeit: Die Kunden investieren in ein Portfolio aus Versicherungsverträgen, die je nach Vorliebe des Kunden zusammengestellt werden.

Geschlossene Fonds, die das Geld der Anleger in US-Lebensversicherungen investieren, haben zuletzt an Beliebtheit verloren, da die Preise für passende Policen stark gestiegen und die Renditen deshalb gesunken sind. Im vergangenen Jahr wurde nach Angaben des Bundesverbands Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen nur ein US-Policenfonds mit einem Eigenkapital von 47 Mio. Euro neu aufgelegt. Zum Vergleich: Im Jahr 2007 waren 310 Mio. Euro an Eigenkapital in dieses Segment investiert. Bei geschlossenen Fonds liegt das Geld für oft deutlich mehr als zehn Jahre fest. Hinzu kommen hohe Gebühren für Vertrieb und Verwaltung.

Hier will Wizard mit dem Cascade-Portfolio punkten: Anleger können bei jeder fälligen Zahlung Geld aus dem Fonds entnehmen oder ihre Einlage erhöhen. Die Kunden investieren in ein Portfolio mit Anteilen an verschiedenen US-Lebensversicherungen. Stirbt einer der Versicherten, bekommen die Anleger die Todesfallleistung entsprechend ihrem Anteil an der Police zugeschrieben. Das Portfoliomanagement und den Ankauf der Policen übernimmt die US-Firma Mosaic aus Florida. Der Anbieter verspricht eine Rendite von jährlich acht bis zwölf Prozent. Das Angebot richtet sich an wohlhabende Privatanleger und institutionelle Investoren. Anleger können sich ab 50 000 $ beteiligen.

Entstanden ist der Zweitmarkt für Lebensversicherungen in den USA in den 80er-Jahren. Viele an Aids erkrankte Kunden verkauften damals ihre Verträge, um die teuren Medikamente bezahlen zu können. Mittlerweile bekommen die Aufkäufer ihre Policen nicht nur von schwer kranken Kunden, sondern vor allem von Senioren.

Interessierte können in den USA bis ins hohe Alter Risikopolicen abschließen. „Wir bevorzugen Versicherte ab 72 Jahren. Hier können wir einen großen Teil des Langlebigkeitsrisikos ausklammern, da die Normalsterblichkeit zurzeit bei 78 Jahren bei Männern und bei 82 Jahren bei Frauen liegt“, sagt Andrew Murphy, Vizepräsident von Mosaic.

Die Rendite der Anlage hängt von der Lebensdauer ab. Zwar steht die Höhe der Auszahlung fest, aber nicht ihr Zeitpunkt. Je länger der Versicherte lebt, desto länger muss der Anleger die Prämie zahlen, entsprechend sinkt die Rendite.

In Deutschland werden dagegen auf dem Zweitmarkt gebrauchte Kapitallebensversicherungen gehandelt. Bei ihnen steht der Termin fest, an dem die Police ausläuft. Um das Risiko zu minimieren, beauftragen die Aufkäufer vor dem Kauf der Police spezialisierte Unternehmen, die den Gesundheitszustand des Versicherten prüfen und seine Lebenserwartung bewerten.

Mosaic übernimmt die Prämienzahlungen für die prognostizierte Lebenserwartung plus zwölf weitere Monate. Danach muss der Anleger für die Prämienzahlungen aufkommen. Dafür gibt es einen Puffer, in den drei Prozent der Anlagesumme fließen und aus dem auch die Kosten für das Portfoliomanagement bezahlt werden. Ist dieses Geld aufgebraucht, muss der Anleger Geld zuschießen. Wird eine Police fällig, wird aus der Versicherungssumme als erstes der Puffer wieder aufgefüllt. Für das Portfoliomanagement zahlen Anleger 0,5 Prozent der Investitionssumme. „Bei geschlossenen Fonds fallen höhere Kosten an“, sagt Murphy.

Stirbt ein Versicherungsnehmer und eine Zahlung wird fällig, können die Anleger das Geld aus dem Fonds entnehmen. Ansonsten wird es automatisch weiter investiert. Entscheidend für die versprochene hohe Rendite sei aber die Wiederanlage des Geldes, sagt Murphy. „Investiert der Kunde in mehr Policen, gibt es auch mehr Auszahlungen. Das ist das Gesetz der großen Zahl.“

Mosaic bietet das Cascade-Portfolio bisher in 28 Ländern an. Das Unternehmen hofft, vom derzeitigen Misstrauen der Anleger gegenüber börsenabhängigen Investments zu profitieren. „Die Todesfallleistung einer Police ändert sich nicht, nur weil der Aktienmarkt abstürzt“, sagt Murphy. Der Anbieter will im ersten Jahr in Deutschland zwischen 25 Mio. Euround 50 Mio. Euro bei privaten und institutionellen Anlegern einsammeln. Als Vertriebspartner hat man vor allem Vermögensberater und Finanzplaner im Blick.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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