Selbst schuld

kolumne

Herbert Fromme

Die Probleme der Swiss Re sind hausgemacht, die Aktionäre haben gute Gründe für ihre Flucht aus der Aktie. Das Management hat seit Jahren grundlegende Prinzipien des Geschäftsmodells gebrochen und zahlt jetzt den Preis dafür. Rückversicherer verkaufen ihren Kunden in erster Linie die Sicherheit, dass sie auch bei Extremschäden zahlen können. Erstversicherer müssen sich darauf verlassen können, sonst brauchen sie keine Rückversicherung.

Zwangsläufig sammeln Rückversicherer große Summen ein, die sie anlegen müssen. Sie dienen nur einem Zweck: der Zahlungsfähigkeit im Schadensfall. Die Swiss Re hat das anders gesehen und die Riesensummen als eigenes Geschäftsfeld mit teilweise riskanten Anlagestrategien betrachtet. Sie hat die gute Bewertung der Ratingagenturen für hohe Wetten auf Kreditausfälle verwendet. Dass der Verwaltungsrat den Investmentbanker Jacques Aigrain zum Chef machte, passt dazu.

Wer als Kapitalanleger riskante Wetten sucht, hat andere Möglichkeiten. Dazu braucht er keine Rückversicherungsaktien. Er will am Versicherungsgeschäft teilhaben – nicht an Investitionsrisiken.

Herbert Fromme ist Versicherungskorrespondent der FTD.

E-Mail: fromme.herbert@ftd.de

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit