Wer bezahlt die Rettung?

kolumne

Herbert Fromme

Es ist verständlich, wenn große Gesellschaften jeden schwächelnden Versicherer unter allen Umständen und möglichst geräuschlos stützen wollen. Der Branche steckt die Erfahrung mit der Mannheimer Lebensversicherung noch in den Knochen. Sie kollabierte 2002 mit lautem Getöse, ihre Kunden wurden durch die eigens gegründete Auffanggesellschaft Protektor übernommen.

Der Kollateralschaden für die Versicherer war immens, vor allem durch den hohen Vertrauensverlust, den sie im Kampf um die Spargroschen der Deutschen spürten. „Keine zweite Mannheimer“, erklärten deshalb Vorstandschefs wichtiger Gesellschaften auf dem Versicherungstag der FTD.

Doch diese Parole erweist sich bei genauem Hinsehen als falsch und gefährlich. Sie kann der Assekuranz erheblich schaden. Eine Auffanggarantie belohnt Gesellschaften, die Gelder ihrer Kunden schlecht verwaltet haben, die gezockt und dabei verloren haben.

Wenn es keinen zweiten Fall Mannheimer geben soll, müssten künftige Rettungsaktionen ohne das publizitätsträchtige Einschalten von Protektor abgehen. Ein stärkerer Versicherer übernimmt die Bestände, oder mehrere teilen sich die Aufgabe. Hier besteht die große Gefahr, dass die Kunden der übernehmenden Gesellschaft für die Rettungsaktion mit bezahlen.

Die Mannheimer war ein eher kleiner Lebensversicherer. Was passiert, wenn ein mittelgroßer oder großer auf der Kippe steht? Beim Versuch, auch ein solches Problem geräuschlos intern zu lösen, könnte sich die Branche verheben. Gesunde Anbieter könnten sich schwere Probleme einfangen. Die Banken führen das gerade vor.

Versicherer, die auch in der Finanzkrise stark sind, sollten das nach außen zeigen. Wenn sie nur die Solidität der Branche betonen, laufen sie Gefahr, dass ihr eigenes Ansehen leidet, sie mit in Haftung genommen werden, wenn doch ein Versicherer kollabiert oder sogar mehrere. Genau das ist angesichts der Schwere der Finanzkrise sehr wahrscheinlich.

Herbert Fromme ist Versicherungskorrespondent der FTD.

E-Mail: fromme.herbert@ftd.de

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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