Das Beste aus beiden Welten

Anbieter variabler Rentenpolicen versprechen gute Renditen und hoheSicherheit. Doch die Garantie ist nicht billig

VON Friederike Krieger

Je mehr Sicherheit, desto weniger Rendite – dieses Gesetz des Kapitalmarkts gilt auch für fondsgebundene Rentenversicherungen. Anbieter variabler Rentenpolicen (Variable Annuities, VAs) versprechen beides: gute Renditen und hohe Sicherheit.

Wer bisher mehr Rendite erzielen wollte, setzte vor allem auf fondsgebundene Policen. Das Anlagerisiko trägt der Kunde. Sinken die Kurse, verliert er unter Umständen sein Vermögen. Abhilfe schaffen Versicherungen mit Kapitalerhaltsgarantien. „Um den Erhalt des Kapitals zu sichern, fließt ein großer Teil des Geldes in risikoarme Anlagen, und nur ein kleiner Teil wird an der Börse investiert“, sagt Andreas Rebhan, Versicherungsberater aus Kevelaer. Bei Rentenbeginn schichtet der Versicherer das Geld in konservative Anlagen um. Die Garantie kostet nach Rebhans Einschätzung rund die Hälfte der Rendite.

Im Unterschied zu fondsgebundenen Rentenversicherungen investieren VA-Produkte über die gesamte Laufzeit in Aktien. Der Werterhalt resultiert nicht aus der Umschichtung in Anleihen, sondern aus dem Einsatz komplexer Absicherungsmechanismen. Trotz der Kosten für das sogenannte Hedging mit Hilfe von Banken sollen die Renditen höher liegen als bei klassischen Fondspolicen. „Der Kunde kann nicht nur in der Ansparphase, sondern auch in der Rentenphase in Fonds investieren. Das erhöht die Renditechancen“, erklärt Thomas Lerch vom Versicherer Canada Life.

Bisher vertreiben nur wenige Versicherer die Policen. Ausgestellt werden sie von Konzerngesellschaften im Ausland, deutsche Versicherer dürfen das nicht. VA-Anbieter garantieren dem Kunden eine Mindestrente, die sich bei Anstieg des Fondswerts erhöht. Jede gutgeschriebene Steigerung bleibt dem Kunden lebenslang erhalten. „Selbst wenn die Aktienkurse fallen und das Fondsvermögen dahinschmilzt, sinkt die garantierte Rente nicht“, sagt ein Allianz-Sprecher. Die Kunden könnten zudem jederzeit Geld aus dem Fonds entnehmen. Das schmälert aber die Rente. Im Todesfall ist das Vermögen vererbbar.

Bei Canada Life muss der Kunde mindestens 40 Jahre alt sein, um die Police abschließen zu können. Die Allianz verlangt ein Mindestalter von 55 Jahren. „Die Rente eignet sich für ältere Kunden, die bisher schon in Aktien investiert haben, nun aber mehr Sicherheit suchen“, erklärt Lerch. Statt monatlicher Prämien zahlt der Kunde einen Einmalbeitrag. Bei Canada Life muss er mindestens 20 000Euro aufbringen, wenn er sofort in Rente gehen will. Bei späterem Ruhestand reichen 10 000 Euro. Auch die Allianz verlangt mindestens 10 000 Euro. Ein 65-jähriger Mann, der 50 000 Euro in eine VA-Police der Allianz einzahlt, erhält eine garantierte Sofortrente von 162,50 Euro.

Die Garantie ist nicht billig: Bei der Allianz kostet sie je nach Aktienanteil jährlich bis zu 1,85 Prozent des Fondswerts. „Bei Variable Annuities fallen erhebliche Absicherungskosten an“, sagt Lars Gatschke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Anders als bei herkömmlichen Policen müssen die Versicherer für die Garantien der Variable Annuities kein Eigenkapital hinterlegen. „Wenn der Versicherer in eine extreme Schieflage gerät, steht der Kunde ohne Rente da“, fürchtet er. Das gilt erst recht, wenn in einer Krisensituation die Bank, die als Gegenpartei Garantien stellt, auch in Probleme geraten sollte. Dazu kommt: Die ausländischen Policenaussteller sind nicht unter dem Schutzschirm der Notfall-Gesellschaft Protektor.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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