Fondsanbieter MPC meldet Verlust

Gesellschaft leidet unter Abschreibung der HCI-Beteiligung und schwachemGeschäft

Von Herbert Fromme

und Patrick Hagen, Köln

Der Hamburger Fondsanbieter MPC Münchmeyer Petersen Capital hat 2008 einen Verlust von 96 Mio. Euro erwirtschaftet – deutlich mehr als die 70 Mio. Euro, die das Unternehmen Ende 2008 geschätzt hatte. Im Jahr 2007 hatte der im SDax gelistete Anbieter noch 38 Mio. Euro verdient. Ausführlichere Zahlen sollen am 25. März folgen.

Als Hauptgrund für den Verlust nannte MPC am Freitag Abschreibungen auf Beteiligungen. Allein auf die Anteile am Fondshaus HCI musste MPC 80 Mio. Euro abschreiben. Außerdem gebe es einen „branchenweiten Nachfragerückgang nach Kapitalanlageprodukten“, stellte das Unternehmen fest, das von Vorstandschef Axel Schroeder geführt wird.

Die Aktie von MPC Capital hat in den vergangenen zwölf Monaten 88,4 Prozent verloren, am Freitag waren es weitere 7,3 Prozent auf 4,82 Euro. An der Börse ist die Firma 88 Mio. Euro wert und damit weniger als das Eigenkapital von 121 Mio. Euro.

Fondsanbieter wie MPC leben von der Emission geschlossener Fonds, über die Privatanleger sich an Schiffen, Flugzeugen, Immobilien und anderen Großprojekten beteiligen. Dabei stellt der Fonds das Eigenkapital für solche Projekte, die restliche Finanzierung kommt per Hypothek oder Schiffshypothek von einer Bank.

Zurzeit sind Anleger äußerst skeptisch. Außerdem gibt es in den Kernbereichen wie der Schifffahrt ein deutliches Überangebot. Deshalb sind die Banken sehr restriktiv bei der Kreditvergabe geworden.

Im Januar 2009 konnte MPC mit zwölf Banken eine einzigartige Finanzierungszusage von 500 Mio. Euro aushandeln. Im Gegenzug erhöhten die Anteilseigner das MPC-Eigenkapital um 49 Mio. Euro auf 121 Mio. Euro, darunter die Familie Schroeder, das Private-Equity-Unternehmen Corsair in New York sowie Vorstand Ulrich Oldehaver.

MPC deckt mit den 500 Mio. Euro bestehende und künftige Fondsprojekte ab, für die der Anbieter zum Teil Platzierungsgarantien übernommen hatte und Bankfinanzierungen benötigt.

Belastend wirkt der HCI-Deal: MPC hatte 2008 für 140 Mio. Euro einen Anteil von 41 Prozent am Rivalen HCI übernommen, der sich mit einem Immobiliengeschäft in den USA schwer verhoben hatte. Auch nach der Abschreibung von 80 Mio. Euro steht der HCI-Anteil noch mit 60 Mio. Euro in den MPC-Büchern, nach Börsenwert wären 41 Prozent nur 12 Mio. Euro wert.

Anfang Januar hatte MPC mitgeteilt, 55 Mitarbeiter zu entlassen, um selbst mit einem Platzierungsvolumen von nur 300 Mio.Euro kostendeckend zu arbeiten. 2007 hatte MPC 1,1 Mrd. Euro eingeworben, 2008 nur noch 548 Mio. Euro.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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